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Josef Grünwidl (* 31. Jänner 1963 in Hollabrunn, Niederösterreich) ist ein österreichischer römisch-katholischer Geistlicher und Erzbischof von Wien.

Josef Grünwidl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Josef Grünwidl (2026)

Josef Grünwidl (* 31. Jänner 1963 in Hollabrunn, Niederösterreich) ist ein österreichischer römisch-katholischer Geistlicher und Erzbischof von Wien.

Leben

Grünwidl stammt aus einer Bauernfamilie im österreichischen Weinviertel und wuchs im niederösterreichischen Wullersdorf auf. Er besuchte das Erzbischöfliche Gymnasium Hollabrunn, wo er 1981 die Matura ablegte. Danach trat er in das Priesterseminar der Erzdiözese Wien ein und studierte katholische Theologie an der Universität Wien. Parallel dazu absolvierte er ein Studium im Konzertfach Orgel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien. Erst während eines Studienjahres 1983/84 in Würzburg entschied er sich definitiv, Priester zu werden. Seine Diplomarbeit mit dem Titel Das Leiden ist in Gott, zur Kreuzestheologie Jürgen Moltmanns verfasste er 1987 bei Josef Weismayer.

1987 empfing Grünwidl die Diakonatsweihe durch Weihbischof Helmut Krätzl. Sein Diakonatsjahr absolvierte er in Perchtoldsdorf. Am 29. Juni 1988 wurde er im Wiener Stephansdom von Kardinal Franz König zum Priester geweiht.

Tätigkeiten

Grünwidl war von 1988 bis 1991 Kaplan in der Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien und von 1991 bis 1993 Kurat der Dompfarre Wiener Neustadt. Zwischen 1993 und 1995 war er Diözesanjugendseelsorger der Erzdiözese Wien. 1995 wurde er Sekretär des neu ernannten Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn, ein Amt, das er bis 1998 ausübte.

Von 1998 bis 2014 wirkte Grünwidl als Pfarrer in Kirchberg am Wechsel sowie in den umliegenden Gemeinden Feistritz, St. Corona und Trattenbach. Zusätzlich war er von 2007 bis 2014 Dechant des Dekanats Kirchberg am Wechsel. 2014 wechselte er in die Pfarre Perchtoldsdorf, wo er bis 2023 als Pfarrmoderator tätig war und ab 2016 auch das Amt des Dechants des Dekanats Perchtoldsdorf innehatte.

Von 2016 bis 2023 war Grünwidl geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats. Im Jänner 2023 wurde er von Erzbischof Schönborn zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt. Diese Funktion legte er im Oktober 2025 nieder. Im November 2024 wurde er zum Ehrenkanoniker des Domkapitels zu St. Stephan (Stephansdom) ernannt. Am 22. Jänner 2025 ernannte ihn Papst Franziskus nach dem altersbedingten Rücktritt Erzbischof Schönborns zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Wien.

Die Presse berichtete am 15. Oktober 2025, dass der Heilige Stuhl seine Ernennung zum neuen Wiener Erzbischof gemäß dem Konkordat von 1933 Artikel IV. § 2 der österreichischen Bundesregierung unter strenger Vertraulichkeit mitgeteilt hat, um allfällige Einwände politischer Natur in Erfahrung zu bringen. Die Regierung hat demzufolge am 16. Oktober per Umlaufbeschluss darauf reagiert.

Am 17. Oktober 2025 (Gedächtnistag des heiligen Ignatius von Antiochia) ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Erzbischof von Wien. Die Bischofsweihe durch den emeritierten Wiener Erzbischof Schönborn mit den Mitkonsekratoren, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner und dem Bischof von Leitmeritz Stanislav Přibyl, fand am 24. Jänner 2026 statt. An dieser nahmen auch der Apostolische Nuntius Pedro López Quintana, die übrigen Angehörigen der Österreichischen Bischofskonferenz und weitere internationale Bischöfe und unierte Kirchenoberhäupter teil. Als Bischofsstab wählte Grünwidl einen hölzernen Hirtenstab, den bereits der frühere Wiener Weihbischof Helmut Krätzl trug. Im Zeichen der Ökumene wohnten auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen Österreichs der Weihe bei und sprachen einen Segen, so u. a. die Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B. Cornelia Richter, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis und die Bischöfin der Altkatholischen Kirche Maria Kubin. Weiters waren auch die Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Buddhistischen Religionsgesellschaft zugegen.

Wappen

Wappen Erzbischof Josef Grünwidl

Das Wappen von Grünwidl ist geviert. In Feld 1 und 4 befindet sich das Wappen der Erzdiözese Wien. Im zweiten Feld sind Orgelpfeifen zu sehen, welche für seine Leidenschaft, das Orgelspielen, stehen und eine Verbindung zu seinem Wahlspruch herstellen. In Feld 3 ist ein Flügel eines Adlers, welcher für seine Heimatgemeinde Wullersdorf steht. Hinter dem Schild steht das Doppelkreuz, das er als Erzbischof führen darf, darüber der grüne Galero (Bischofshut) mit den jeweils zehn herunterhängenden grünen Quasten (Fiocchi).

Unterhalb des Wappens steht Grünwidls Wahlspruch „Melodiam Dei Recipite“ („Nehmt Gottes Melodie in euch auf“, ein Zitat von Ignatius von Antiochia). Dieser Wahlspruch ist ein weiterer Hinweis auf sein musikalisches Leben.

Apostolische Sukzession

Die Sukzessionslinie von Erzbischof Josef Grünwidl folgt der Linie von Scipione Kardinal Rebiba. Die Linie ist benannt nach dem frühesten bekannten Hauptkonsekrator, der am Anfang der Linie steht.

Ehrungen und Auszeichnungen

  • Ehrenkanoniker des Domkapitels zu St. Stephan (2024)

Sonstiges

Die Erzdiözese Wien präsentierte anlässlich seiner Bischofsweihe mehrere Premieren und Merkmale: So ist Josef Grünwidl nach Johann Joseph von Trautson (1707–1757) der zweite gebürtige Weinviertler an der Spitze der Erzdiözese Wien, er ist der erste Wiener Bischof, der zuvor in einer Pfarre und der Jugendseelsorge der Diözese konkret gewirkt hat, er ist der erste Diözesanadministrator und Bischofsvikar, der zum Wiener Erzbischof ernannt wurde, und nach Georg von Slatkonia (1456–1522) der zweite Musiker an der Spitze der Diözese. Und seit Fürstbischof Emerich Sinelli (1680–1685) ist er nach mehr als 340 Jahren Pause der erste Wiener Bischof mit Bart.

Grünwidl ist seit dem 18. April 2015 Ehrenmitglied der K.Ö.St.V. Sonnberg Perchtoldsdorf (SOP), einer Schülerverbindung im Mittelschüler-Kartell-Verband, und war als solcher Verbindungseelsorger; er führt den Couleurnamen „Orpheus“.

Grünwidl ist Anhänger des Fußballclubs SK Rapid Wien.

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