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Die Panzerjägertruppe war eine Truppengattung des Heeres der Bundeswehr. Sie zählte zuletzt zu den gepanzerten Kampftruppen. Hauptaufgabe war die Panzerabwehr.

Panzerjägertruppe (Bundeswehr)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Truppengattungsabzeichen der Panzerjägertruppe

Die Panzerjägertruppe war eine Truppengattung des Heeres der Bundeswehr. Sie zählte zuletzt zu den gepanzerten Kampftruppen. Hauptaufgabe war die Panzerabwehr. Im Jahr 2006 wurde die Panzerjägertruppe außer Dienst gestellt.

Auftrag

Kanonenjagdpanzer beim Nachtschießen

Die Panzerjägertruppe der Bundeswehr hatte den Auftrag, feindliche Kampfpanzer und andere gepanzerte Fahrzeuge zu bekämpfen und damit zur Gefechtsführung der Landstreitkräfte beizutragen. Sie stellte innerhalb des Heeres eine spezialisierte Fähigkeit zur Panzerabwehr dar und ergänzte die entsprechenden Mittel anderer Truppengattungen, insbesondere der Panzergrenadiertruppe.

Im Rahmen der NATO-Verteidigungsplanung während des Kalten Krieges war die Panzerjägertruppe in die Vorneverteidigung eingebunden. Ihr Einsatz diente insbesondere der Verstärkung der Panzerabwehr in gefährdeten Frontabschnitten sowie der Unterstützung von Großverbänden bei der Abwehr gegnerischer mechanisierter Kräfte.

Taktischer Einsatz

Der taktische Einsatz der Panzerjägertruppe der Bundeswehr erfolgte mit dem Schwerpunkt auf der Bekämpfung feindlicher Kampfpanzer und gepanzerter Verbände im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen. Während des Kalten Krieges war sie fest in die NATO-Doktrin der Vorneverteidigung (Forward Defense) eingebunden und sollte insbesondere in wahrscheinlichen Angriffsrichtungen des Warschauer Pakts, etwa im Bereich der innerdeutschen Grenze oder im sogenannten Fulda Gap, zur Verzögerung und Zerschlagung gegnerischer Panzerkräfte beitragen.

In der Verteidigung lag der Schwerpunkt auf dem Einsatz aus vorbereiteten, gedeckten und getarnten Stellungen. Panzerjägerkräfte nutzten Gelände, Sperren und Minenfelder, um gegnerische Panzer in vorher festgelegte Wirkungsräume zu lenken. Typische Waffensysteme der Bundeswehr wie der Kanonenjagdpanzer, der Raketenjagdpanzer 1 und 2 (mit dem Lenkflugkörper SS-11) sowie später der Jaguar 1 (mit HOT) und der Jaguar 2 (mit TOW) wirkten dabei aus überlegenen Entfernungen und aus vorbereiteten Feuerstellungen. Ziel war es, angreifende Panzerverbände frühzeitig zu dezimieren, ihre Angriffsgeschwindigkeit zu bremsen und sie in für eigene Gegenmaßnahmen günstige Räume zu zwingen. Der Einsatz erfolgte häufig im Rahmen von Verzögerungsgefechten, zur Flankensicherung oder zur Stabilisierung gefährdeter Frontabschnitte.

Im Angriff unterstützten Panzerjäger eigene Kräfte, insbesondere Panzer- und Panzergrenadierverbände, durch die Bekämpfung feindlicher Panzerreserven sowie die Sicherung gegen Gegenstöße. Aufgrund ihrer konstruktionsbedingten Eigenschaften waren die Jagdpanzer der Bundeswehr jedoch für das bewegliche Gefecht nur eingeschränkt geeignet. Der Kanonenjagdpanzer verfügte über keine Turmbewaffnung, sodass die Feuerwirkung im Wesentlichen auf die Fahrtrichtung beschränkt blieb. Auch die mit Panzerabwehrlenkwaffen ausgestatteten Systeme wie Jaguar 1 und Jaguar 2 sowie die Raketenjagdpanzer 1 und 2 mit dem Lenkflugkörper SS-11 konnten ihre Waffen in der Regel nur aus dem Stand und aus stabilen Feuerstellungen wirkungsvoll einsetzen.

Daraus ergab sich eine erhöhte Verwundbarkeit im Bewegungskampf, insbesondere bei überraschenden Feindkontakten, schnellen Richtungswechseln oder im Nahbereich. Der Einsatz im Angriff erfolgte daher überwiegend aus der Tiefe, aus vorbereiteten Stellungen oder von den Flanken, während Kampfpanzer die Rolle im beweglichen Gefecht übernahmen. Panzerjäger wirkten dabei häufig als panzerabwehrstarke Reserve oder zur Sicherung gegen operative Durchbrüche.

Mit der zunehmenden Verbreitung moderner Panzerabwehrlenkwaffen in anderen Truppengattungen, insbesondere bei Panzergrenadieren (z. B. MILAN), sowie der steigenden Leistungsfähigkeit moderner Kampfpanzer verlor die spezialisierte Panzerjägertruppe der Bundeswehr ab den 1990er Jahren an Bedeutung. Ihre Aufgaben wurden zunehmend von anderen Truppengattungen übernommen, bis die Panzerjägertruppe schließlich aufgelöst wurde.

Geschichte

Aufstellung

Panzerjäger auf der Schießbahn

1955 – 1959 Heeresstruktur 1

Die Panzerjägertruppe der Bundeswehr wurde 1956 als eigene Waffengattung aufgestellt. Ihre Entwicklung war von Beginn an stark durch die jeweils verfügbaren Waffensysteme geprägt und spiegelte die wechselnden Heereskonzeptionen besonders deutlich wieder. Historische Erfahrungen aus der Wehrmacht, insbesondere mit Panzerjägerverbänden und Sturmgeschützen, flossen in Aufbau und Ausbildung ein.

In der ersten Entwicklungsphase wurden sieben Panzerjägerbataillone als Divisionstruppen aufgestellt. Diese waren den fünf ersten Heeresdivisionen (1–5) sowie der Gebirgsjägerdivision (Panzerjägerbataillon 8) und der Luftlandedivision (Panzerjägerbataillon 9) zugeordnet. Zusätzlich bestand bei der Panzerjägerschule in Bremen ein Panzerjäger-Lehrbataillon.

Die Ausrüstung der Panzerjägerbataillone bestand zunächst aus dem leichten US-Kampfpanzer M41, später ergänzt durch den M47. Jedes Panzerjägerbataillon gliederte sich in drei Panzerjägerkompanien mit jeweils 22 Kampfpanzern, ergänzt durch vier Fahrzeuge der Bataillonsführung.

Parallel dazu begannen Überlegungen zur Entwicklung eines deutschen Kanonenjagdpanzers, der ursprünglich aus der geplanten Schützenpanzerfamilie hervorgehen sollte. Ein erster Ansatz (HS 30-Kanonenjagdpanzer) scheiterte jedoch noch vor der Einführung an technischen und konzeptionellen Mängeln, sodass ab 1959 eine Neuentwicklung aufgenommen wurde.

In den Panzergrenadier-, Grenadier- und Jägerbataillonen war zwar planmäßig jeweils ein sogenannter ZBv-Gruppe Panzerjäger (zur besonderen Verwendung) vorgesehen, dieser wurde jedoch in der Praxis entweder gar nicht oder nur unzureichend aufgestellt. Ursache hierfür waren insbesondere materielle Engpässe, fehlende Standardisierung sowie die noch ungeklärte konzeptionelle Einbindung der infanteristischen Panzerabwehr.

Soweit solche Gruppen überhaupt existierten, wiesen sie eine große Bandbreite unterschiedlicher Fahrzeuge und Waffensysteme auf, sodass eine einheitliche Gliederung oder Ausrüstung nicht gegeben war. Zum Einsatz kamen unter anderem Leichtgeschütze 106mm, improvisierte Trägerfahrzeuge, M41 Leichte Panzer sowie britische Bren Carrier mit SS-11 Raketen oder vergleichbare Behelfslösungen. Eine genaue und vollständige Auflistung dieser Varianten ist aufgrund der Vielfalt und der oft nur kurzfristigen Nutzung kaum möglich.

1959 – 1970 Heeresstruktur 2

Mit Einführung der Heeresstruktur 2 wurden die Panzerjägerbataillone aufgelöst und in Panzerjägerkompanien gegliedert. Die bis dahin eingesetzten Kampfpanzer M41 Walker Bulldog und M47 Patton blieben zunächst weiterhin im Dienst und wurden übergangsweise noch zur Panzerabwehr herangezogen.

Erst in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre erfolgte ihre schrittweise Aussonderung aus der Panzerjägertruppe. Der M41 wurde danach überwiegend nur noch bei den Panzeraufklärungseinheiten verwendet, während der M47 vollständig aus der aktiven Nutzung verschwand.

Untersuchungen zur Modernisierung, etwa durch den Einbau leistungsfähigerer Motoren oder die Umrüstung auf andere Kanonensysteme, wurden zwar geprüft, jedoch aus Kosten-Nutzen-Gründen nicht weiterverfolgt.

Die Panzerjägertruppe setzte stattdessen schwerpunktmäßig auf die Panzerabwehrlenkwaffe SS 11, eingeführt auf dem Raketenjagdpanzer 1 und 2, und ergänzte diese Fähigkeit ab 1965 durch den Kanonenjagdpanzer mit 90-mm-Kanone als speziell konzipiertes, gepanzertes Panzerabwehrfahrzeug.

Parallel dazu wurden in den Panzergrenadiebataillonen Panzerjägerzüge aufgestellt. Diese waren je nach Gliederung entweder mit drahtgelenkten Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ COBRA oder mit Leichtgeschützen 106mm auf Lkw 0,25t DKW bzw. auf dem Schützenpanzer HS 30 ausgerüstet. Dadurch verfügten die infanteristischen Verbände erstmals über eine organische, bewegliche Panzerabwehrfähigkeit auf Kompanieebene.

1970 – 1980 Heeresstruktur 3

Mit Einführung der Heeresstruktur 3 kam es erneut zu einer Stärkung der Panzerjägertruppe in Bataillonsstärke. Neben den weiterhin bestehenden selbstständigen Panzerjägerkompanien der Panzer- und Panzergrenadierbrigaden wurden wieder Panzerjäger- und Gebirgspanzerjägerbataillone aufgestellt.

Diese Bataillone waren in drei Kampfkompanien gegliedert. Die beiden ersten Kompanien verfügten jeweils über 16 Kanonenjagdpanzer oder alternativ Kampfpanzer M48. Die dritte Kompanie besaß zusätzlich zwei Raketenzüge mit insgesamt acht Raketenjagdpanzern 2 (SS 11).

Als Reaktion auf die fortgesetzte Aufrüstung der Sowjetunion wurde die Bundeswehr in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre umfassend mit neuem Wehrmaterial ausgestattet. Für die Panzerjägertruppe bedeutete dies insbesondere die Einführung moderner Panzerabwehrlenkflugkörper, darunter die HOT, die eine deutlich gesteigerte Reichweite, Treffergenauigkeit und Gefechtsentfernung gegenüber den Systemen der ersten Generation boten.

Im Rahmen der Heeresstruktur 3 bestanden fünf Panzerjägerbataillone, ergänzt durch 17 Panzerjägerkompanien (Rak) mit jeweils 13 Raketenjagdpanzern 2 sowie zehn Panzerjägerkompanien mit 16 Kanonenjagdpanzern und acht Raketenjagdpanzern 2. Eine Besonderheit stellte die Panzerjägerkompanie 300 (Ellwangen) dar, die als erste Einheit mit dem Panzerabwehrlenkflugkörpersystem TOW ausgerüstet war, dieses jedoch noch auf ungepanzten Lkw einsetzte.

Mit dem Umgliederungsbefehl Nr. 98/70 – Heer – vom 8. Dezember 1970 wurden unter anderem die 2. Grenadierdivision und die 4. Grenadierdivision in Jägerdivisionen umbenannt und entsprechend umgegliedert. In diesem Zusammenhang erhielten die bisherigen Panzer- bzw. Panzergrenadierbataillone dieser Divisionen die Bezeichnung Panzerjägerbataillone. Diese Verbände wurden mit Kanonenjagdpanzern oder Kampfpanzern M48 ausgerüstet.

Gliederung selbständige Panzerjägerkompanie (Modell B) in der (Heeresstruktur 3)

Auch die im Zuge der Heeresstruktur 3 aufgestellten Heimatschutzkommandos verfügten über je zwei Panzerjägerkompanien, eine aktive und eine als Geräteeinheit.

Gliederung 3. Panzerjägerkompanie oder selbständige Kompanie (Modell A) in der (Heeresstruktur 3)

1980 – 1992 Heeresstruktur 4

Mit der Einführung der Heeresstruktur 4 wurden die zuvor aufgestellten Jägerdivisionen wieder in Panzergrenadierdivisionen rückgegliedert.

Gleichzeitig wurden die im Rahmen der Heeresstruktur 3 aufgestellten Panzerjägerbataillone erneut aufgelöst beziehungsweise in selbständige Panzerjägerkompanien umgegliedert.

Jede dieser Panzerjägerkompanien bestand aus vier Panzerjägerzügen mit jeweils vier Raketenjagdpanzern Jaguar 1 oder Jaguar 2. Zusätzlich verfügte die Kompanieführung über einen weiteren Raketenjagdpanzer als Fahrzeug des Kompanieführers (KpFü) (Insgesamt 17 Raketenjagdpanzer).

Zu diesem Zeitpunkt war deutlich geworden, dass der Kanonenjagdpanzer mit seiner 90-mm-Kanone gegenüber den modernen sowjetischen Kampfpanzerentwicklungen (T-62, T-64, T-72) zunehmend an Wirksamkeit verlor. Eine umfassende Modernisierung dieses Waffensystems hätte einen unverhältnismäßig hohen Kostenaufwand erfordert.

In der Folge wurde der Kanonenjagdpanzer aus den aktiven Panzerjägerverbänden des Feldheeres ausgegliedert und an nicht aktive Panzerjägerverbände des Territorialheeres (Heimatschutzregimentern der VBK's) abgegeben. Ein Teil der Fahrzeuge wurde umgebaut:

  • teilweise zur Raketenjagdpanzer-Variante Jaguar 2 mit TOW,
  • teilweise nach Entfernung der Hauptbewaffnung zu Beobachtungspanzern, unter anderem als Artilleriebeobachtungspanzer.

Mit der Umsetzung der Heeresstruktur 4 verlor die Panzerabwehrlenkwaffe SS 11(Raketenjagdpanzern 2) endgültig ihre militärische Bedeutung und wurde ersatzlos außer Dienst gestellt.

Die Raketenjagdpanzer Jaguar 1 und Jaguar 2 erwiesen sich gegenüber den bisherigen Systemen als deutlich überlegen, insbesondere hinsichtlich Feuerkraft, Reichweite und Treffgenauigkeit. Infolgedessen verlagerte sich die Panzerabwehr der Bundeswehr ab den 1980er-Jahren zunehmend auf den Einsatz lenkflugkörpergestützter Systeme.

Gliederung einer selbstständigen Panzerjägerkompanie in einer Heeresbrigade (Heeresstruktur IV)

Eine Ausnahme bildeten die dem Territorialheer zugeordneten Heimatschutzbrigaden. Diese verfügten weiterhin über M48-Kampfpanzer in der Panzerjägerrolle. Ende der 1970er-Jahre und zu Beginn der 1980er-Jahre wurden diese Fahrzeuge mit der 105-mm-Kanone L7, wie sie auch im Leopard 1 verwendet wurde, nachgerüstet, wodurch ihre Feuerkraft und Durchschlagsleistung deutlich gesteigert wurde.

Gliederung Panzerjäger im Territorialheer (Heeresstruktur IV)

1993–1997: Heeresstruktur 5 / 5 N

Mit der Einführung der Heeresstruktur 5 und 5 N ab 1993 wurde etwa 40 % der im Feldheer befindlichen Panzerjägerkompanien aufgelöst. Ein kleiner Teil dieser Verbände wurde in nicht aktive Verbände (Geräteeinheiten) überführt, während der verbleibende Anteil zunächst weiterhin aktiv im Feldheer verblieb.

Die im Territorialheer eingesetzten Heimatschutzregimenter und Heimatschutzbrigaden mit ihren Panzerjägerzügen – ausgestattet mit Kanonenjagdpanzern und M48-Kampfpanzern – wurden vollständig und ersatzlos aufgelöst.

Die Kanonenjagdpanzer wurden überwiegend verschrottet oder als Hartziele auf Truppenübungsplätzen verwendet. Ein geringer Teil der M48-Kampfpanzer wurde zu Minenräumpanzern Keiler umgebaut.

Ab etwa Mitte der 1990er-Jahre wurde der Raketenjagdpanzer Jaguar 2 aus der Truppe ausgesondert. Ausschlaggebend hierfür waren unter anderem der geringe Schutz beim Kampf oberhalb der Luke sowie der daraus resultierende fehlende ABC-Schutz. Darüber hinaus spielte auch die infolge der deutschen Wiedervereinigung und des Zwei-plus-Vier-Vertrag eingeleitete Truppenreduzierung eine wesentliche Rolle bei der Aussonderung des Systems.

Parallel dazu wurde der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 mit einem Wärmebildgerät nachgerüstet und erreichte dadurch die volle Tag- und Nachtkampffähigkeit.

Gegen Ende der Heeresstruktur 5 N im Jahr 1996 und mit dem endgültigen Wegfall der sogenannten „Restbedrohung aus dem Osten“ wurde deutlich, dass der weitere Einsatz selbständiger Panzerjägerkompanien nicht mehr erforderlich war. In der Folge verloren die verbliebenen Panzerjägerkompanien ihre Selbständigkeit und wurden als Panzerjägerzüge in die Panzergrenadierbataillone integriert. Damit endete die eigenständige Organisationsform der Panzerjägerkompanien endgültig.

Ab etwa 1996 verblieben in der Bundeswehr nur noch der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 sowie der Waffenträger Wiesel 1 TOW in der klassischen Rolle der Panzerjäger. Der Wiesel 1 TOW wurde dabei insbesondere in den Jägerverbänden sowie bei den Fallschirmjägereinheiten eingesetzt und bildete dort das zentrale gepanzerte Panzerabwehrmittel.

Auflösung

Die Auflösung der Panzerjägertruppe war das Ergebnis eines langfristigen Wandels in der Gefechtsführung und nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. In der Frühphase der Bundeswehr war die Panzerabwehr eine spezialisierte Aufgabe, die durch eigene Truppenteile mit dedizierten Waffensystemen wie Jagdpanzern und Leichtgeschützen wahrgenommen wurde. Versuche, auch klassische Panzerabwehrkanonen in moderner Form einzuführen, blieben hingegen auf einzelne, nicht zur Einführung gelangte Versuchsträger beschränkt.

Bereits seit dem Ende der 1950er Jahre zeichnete sich ein technologischer und taktischer Umbruch ab. Neben Jagdpanzern mit Rohrbewaffnung traten zunehmend Panzerabwehrlenkwaffen in den Vordergrund. Zunächst erweiterten Systeme wie SS-11 und COBRA die Möglichkeiten der Panzerabwehr, blieben jedoch auf spezialisierte Trägerfahrzeuge beschränkt. Ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre folgten mit HOT und TOW leistungsfähigere Lenkwaffensysteme, die vor allem auf Jagdpanzern und Hubschraubern (Bo-105) eingesetzt wurden und die klassische Rolle der Panzerjäger weiterentwickelten.

Erst mit der Einführung weitreichender leichterer Systeme wie MILAN wurde die Fähigkeit zur Bekämpfung gepanzerter Ziele in größerem Umfang auch infanteristischen Kräften zugänglich gemacht, wodurch die Panzerabwehr zunehmend in die Breite der Truppe verlagert wurde.

Parallel dazu entwickelten sich Kampfpanzer wie der Leopard 2 zu vielseitigen Waffensystemen mit hoher Reichweite und Durchschlagskraft. Ergänzend übernahmen auch andere Kräfte zunehmend Aufgaben der Panzerabwehr, darunter die Artillerie mit präzisionsgelenkter Munition wie SMArt 155, Fernverlegbaren Minen (AT-2, MIFF), Panzerabwehrhubschrauber sowie Luftfahrzeuge im Rahmen der Luftnahunterstützung und Gefechtsfeldabriegelung.

Im Ergebnis wurde die Panzerabwehr zunehmend zu einer Fähigkeit nahezu aller Kampf- und Kampfunterstützungstruppen. Die eigenständige Panzerjägertruppe verlor damit schrittweise ihre operative Notwendigkeit.

Mit der Außerdienststellung des Waffensystems Jaguar 2 im Jahr 1996 und des Jaguar 1 im Jahr 2005 wurde die Panzerjägertruppe schließlich als eigenständige Truppengattung im Jahr 2006 aufgelöst. Das verbleibende Personal wurde überwiegend in die Panzertruppe eingegliedert, teilweise jedoch auch in die Panzeraufklärungs- und Panzergrenadiertruppe übernommen.

Zu dieser Entwicklung trugen neben dem technologischen Fortschritt auch veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen bei. Nach dem Ende des Kalten Krieges galt die großräumige Abwehr massierter Panzerverbände als weniger wahrscheinlich, wodurch spezialisierte Panzerjägerverbände zusätzlich an Bedeutung verloren.

Ausbildung

Die Panzerjägerschule für die Panzerjägertruppe existierte neben der Panzeraufklärungsschule bis 1957 in Bremen. 1957 wurde die Panzerjägerschule (spätere Bezeichnung: Panzerabwehrschule) nach Munster verlegt. Dort wurde sie im April 1959 zur Panzerabwehrschule umbenannt, 1963 zur Kampftruppenschule III erweitert und ging nach mehreren Zwischenschritten (ab 1972 Kampftruppenschule II/III, ab 1975 Kampftruppenschule II) letztlich in der Panzertruppenschule auf. Die Ausbildung und Weiterentwicklung der Panzerjägertruppe erfolgte danach und bis zuletzt im Wesentlichen an der Panzertruppenschule in Munster. Der Kommandeur der Panzertruppenschule war gleichzeitig General der Gepanzerten Kampftruppen (heute: General der Panzertruppen). Er war verantwortlich für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Gepanzerten Kampftruppen.

Organisation

Panzerjägerzug des Heimatschutzregiment 74 bei REFORGER 84 in Wildflecken

Einordnung

Die Panzerjägertruppe gehörte wie die Panzertruppe, die Panzeraufklärungstruppe und die Panzergrenadiertruppe zu den gepanzerten Kampftruppen des Heeres und damit zu den Kampftruppen.

Grundsätzlich ist jede Truppengattung der Bundeswehr zur Panzerbekämpfung befähigt. Dies erfolgt je nach Auftrag und Ausstattung durch Panzerfaust 3, MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem) sowie durch Panzernahbekämpfungsmittel. Die Fähigkeit zur Panzerabwehr ist damit kein exklusives Merkmal spezialisierter Panzerjägerverbände mehr, sondern integraler Bestandteil nahezu aller Kampf- und Kampfunterstützungstruppen.

Die Panzergrenadiertruppe verlor mit der Außerdienststellung des Jaguar 1 ab etwa 2006 ihren letzten dedizierten Jagdpanzer. Die Panzerabwehr der Panzergrenadierverbände wurde seither bis etwa 2021 primär mit der Panzerabwehrlenkwaffe MILAN F2 wahrgenommen, seit 2022 mit MELLS sowie ergänzend mit der Panzerfaust 3. Diese Panzerabwehr war und ist sowohl abgesessen als auch vom Fahrzeug aus möglich.

Auch die Panzerpioniertruppe ist zur Panzerbekämpfung befähigt und verfügt über entsprechende Waffen und Ausbildung, wenngleich dies nicht ihre primäre Kernaufgabe darstellt.

Als einzige Truppengattung verfügt heute nur noch die Jägertruppe/Fallschirmjägertruppe mit dem Waffenträger Wiesel (TOW bzw. MELLS) über ein leicht gepanzertes, ausschließlich für die Panzerabwehr vorgesehenes Waffensystem in nennenswertem Umfang.

Alle Truppengattungen konnten zur Panzerabwehr aller Truppen Panzervernichtungstrupps bilden und mittels Panzerabwehrhandwaffen (v. a. Panzerfaust 3) feindliche Kampfpanzer auf kurze Distanz bekämpfen.

Ehemalige Truppenteile

Die Panzerjägerkompanien 410 (Torgelow) und 110 (Neunburg vorm Wald) wurden am 31. März 1997 (fast ein halbes Jahr nach der formalen Auflösung der selbständigen Panzerjägerkompanien) aufgelöst und gehörten damit zu den letzten aktiven Panzerjägerkompanien des Heeres, die im Zuge der Heeresstruktur 5/5N ihr Material abgaben und außer Dienst gestellt wurden. Während vergleichbare Kompanien (z. B. PzJgKp 400 und 420) bereits 1996 aufgelöst wurden, erfolgte die Außerdienststellung der PzJgKp 410 und der PzJgKp 110 erst im Folgejahr im Rahmen der gestaffelten Abwicklung der Truppenteile.

Ausrüstung

Hauptwaffensysteme

Nutzungsdauer Zeiträume der Panzerjagd-Waffensysteme (allg. Nutzung in der Bundeswehr M41, M47 u. M48)

In den ersten Jahren nach ihrer Aufstellung waren US-amerikanische M41 und M47 Panzer ihre Hauptwaffen, später auch M48 und drahtgesteuerte SS 11-Raketen auf Schützenpanzern HS 30. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden diese durch den Kanonenjagdpanzer und den Raketenjagdpanzer 2 ersetzt. Ab den 1970er Jahren war dann der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 das Hauptwaffensystem. Der Jaguar 1 war Waffenträger für die Panzerabwehrlenkwaffe HOT. Bis 1996 verfügte die Panzerjägertruppe auch über Raketenjagdpanzer vom Typ Jaguar 2, die mit TOW gerüstet waren. Die letzten Kanonenjagdpanzer 4-5 wurden bereits Anfang der 1980er Jahre beim Feldheer ausgemustert und wurden bis etwa 1990 nur noch beim Territorialheer eingesetzt.

90-mm PaK mit Hilfsantrieb (Versuchsträger)

Die 90-mm PaK mit Hilfsantrieb war ein Mitte der 1960er Jahre entwickelter Versuchsträger für eine bewegliche Panzerabwehrkanone der Bundeswehr. Das System wurde 1966 von der Firma Rheinmetall auf Grundlage der Kanone des Kanonenjagdpanzers konzipiert. Die Entwicklung stellte innerhalb der NATO eine Besonderheit dar, da klassische Panzerabwehrkanonen zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend durch selbstfahrende Panzerjäger und lenkflugkörpergestützte Panzerabwehrsysteme verdrängt worden waren.

Ziel des Projekts war es, eine vergleichsweise leichte und mobile Panzerabwehrlösung zu schaffen, die zwischen gezogener Panzerabwehrkanone und vollwertigem Jagdpanzer angesiedelt war. Die Waffe war auf einer selbstfahrenden Lafette mit Hilfsantrieb montiert, wodurch ein eigenständiges Verlegen im Gefechtsfeld ohne Zugfahrzeug möglich war.

Der Antrieb erfolgte über einen von Porsche entwickelten Motor, der eine Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h ermöglichte. Mit einem Gesamtgewicht von etwa 5 Tonnen blieb das System deutlich leichter als zeitgenössische Kettenfahrzeuge. Die Bewaffnung bestand aus einer 90-mm-Kanone, die die gleiche Munition wie die Kampfpanzer M47, M48 sowie der Kanonenjagdpanzer 4-5 verschoss.

Ein wesentliches Merkmal war die sehr niedrige Silhouette. In teilgedeckten Stellungen konnte die ohnehin geringe Feuerhöhe von etwa 1,4 m weiter reduziert werden, was die Überlebensfähigkeit im Gefecht erhöhen sollte. Die Geländegängigkeit wurde durch eine Bodenfreiheit von rund 380 mm, eine Steigfähigkeit von 50 % sowie eine Watfähigkeit von etwa einem Meter unterstützt.

Trotz dieser Eigenschaften wurde das System nicht in die Truppe eingeführt. Ausschlaggebend waren insbesondere die hohen Systemkosten sowie die im Vergleich zu den zunehmenden Anforderungen als unzureichend bewertete Durchschlagsleistung der 90-mm-Munition gegen moderne Kampfpanzer (Reaktiv- und Verbundpanzerung). Das Konzept wurde daher zugunsten leistungsfähigerer Panzerabwehrsysteme und Raketenbewaffnung aufgegeben.

Uniform

Die Waffenfarbe der Panzerjägertruppe, Grundfarbe der Litzen und der Kragenspiegel, war wie bei der Panzertruppe zuletzt rosa. Da die Panzerjäger ursprünglich zur Infanterie gezählt wurden, war die Waffenfarbe zunächst dunkelgrün, ab 1962 wie für alle Truppengattungen der Infanterie jägergrün. Das Barett war wie bei der Panzertruppe schwarz und wurde wie bei der Panzertruppe üblich häufig auch im Gefechtsdienst getragen. 1992 erhielt die Panzerjägertruppe ein eigenes Barettabzeichen. Bis 1992 hatten sie das Truppengattungsabzeichen der Panzertruppe getragen. Das 1992 eingeführte Barettabzeichen zeigte im Eichenlaubkranz mittig einen Jagdpanzer (vermutlich ein frühes Modell Jagdpanzer Jaguar 1) vor zwei gekreuzten Pfeilen.

Diese für die Truppengattung spezifischen Uniformteile waren aber bereits Mitte der 1990er Jahre relativ selten, da nach der Auflösung der Panzerjägerkompanien als selbstständige Einheiten die meisten Panzerjäger in die Panzergrenadierbataillone eingegliedert wurden und dort Barett, Truppengattungsabzeichen und Waffenfarbe der Panzergrenadiertruppe trugen.

Panzerbesatzungen trugen statt Feldhose und Feldbluse eine einteilige Panzerkombination.

Taktisches Zeichen

Das taktische Grundzeichen der Panzerjägertruppe war dem allgemeinen NATO-Schema folgend ein nach oben zeigendes Dreieck. War eine Panzerjägerkompanie mit Raketenjagdpanzern ausgestattet, wurden dem taktischen Zeichen unter dem Winkel zwei weitere, freistehende Winkel hinzugefügt, die allgemein als Kennzeichen für Raketen dienten.

Dienstgradbezeichnungen

Dienstgradbezeichnung des niedrigsten Dienstgrades Soldat in Truppenteilen der Panzerjägertruppe war Panzerjäger. Er entsprach dem Dienstgradbezeichnungen Schütze, Funker, Panzergrenadier usw. anderer Truppengattungen, Teilstreitkräfte und militärischer Organisationsbereiche. Die übrigen Dienstgrade entsprachen den allgemeinen Dienstgraden der Bundeswehr.

 Mannschaftsdienstgrad
Niedrigerer Dienstgrad   Höherer Dienstgrad
- Panzerjäger Gefreiter

Dienstgradgruppe: MannschaftenUnteroffiziere o.P.Unteroffiziere m.P.LeutnanteHauptleuteStabsoffiziereGenerale
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