Der Französisch-amerikanische Bündnisvertrag war ein Militärpakt zwischen dem Königreich Frankreich und den Vereinigten Staaten während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1778. Der im Allianzvertrag von 1778 formalisierte Militärpakt sah vor, dass Frankreich die Amerikaner in ihrem Konflikt mit Frankreichs Rivalen Großbritannien unterstützen, daneben wurde auch ein Handelsvertrag abgeschlossen. Die Niederländische Republik und Spanien schlossen sich später als Verbündete Frankreichs an, während Großbritannien während des Konflikts keine bedeutenden europäischen Verbündeten hatte. Das französische Bündnis entstand, nachdem die amerikanischen Streitkräfte im Oktober 1777 eine britische Streitmacht bei Saratoga gefangen genommen hatten und damit die Stärke der Vereinigten Staaten unter Beweis gestellt hatten.


Obwohl Frankreich eine bedeutende Rolle bei der Erlangung der Unabhängigkeit der Amerikaner gespielt hatte, zog sich die USA nach 1793 aus dem Bündnis zurück, als das revolutionäre Frankreich Großbritannien den Krieg erklärte und die USA neutral blieben. Die Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten verschlechterten sich, als die USA sich Großbritannien annäherten und 1794 den Jay-Vertrag unterzeichneten, was zu einem nicht erklärten Quasi-Krieg führte. Das Bündnis war 1794 vollständig aufgelöst und endete offiziell im Jahr 1800.
Hintergrund
Nach der Unabhängigkeitserklärung der 13 nordamerikanischen Kolonien (4. Juli 1776) befand sich der junge amerikanische Staat im Krieg gegen das britische Weltreich. Die Vereinigten Staaten verfügten über eine notdürftig zusammengestellte Armee und keine Flotte und waren dringend auf ausländische Hilfe angewiesen. Frankreich, das im Siebenjährigen Krieg Gebietsverluste in Nordamerika erlitten hatte, sah in dem Konflikt die Chance, Großbritannien zu schwächen. Bereits seit 1776 unterstützte Paris die Amerikaner heimlich über Waffenlieferungen und Kredite (u. a. vermittelt durch den Händler Silas Deane). Kontinentalkongress und Kommissionäre wie Benjamin Franklin, Silas Deane und Arthur Lee wurden nach Europa gesandt, um formelle Bündnisse auszuhandeln. Franklin genoss in Frankreich große Beliebtheit, doch Ludwig XVI. zögerte zunächst, da der Ausgang des Krieges ungewiss schien. Erst nach der entscheidenden amerikanischen Schlacht von Saratoga (Oktober 1777), bei der britische Truppen kapitulierten, änderte sich die Lage: König Ludwig XVI. befürchtete, ein separates Friedensangebot der Briten könnte die Kolonien wieder an die britische Monarchie binden. Er gab seinem Außenminister Charles Gravier, comte de Vergennes den Auftrag, eine offizielle Allianz anzubieten.
Vertragsabschluss
Am 6. Februar 1778 wurde in Versailles bei Paris ein Doppelvertrag geschlossen: neben einem Handels- und Freundschaftsvertrag (Traité d’amitié et de commerce) unterzeichneten die USA und Frankreich auch den Vertrag von Versailles (traité d'alliance), einen militärischen Bündnisvertrag. Bevollmächtigt waren auf französischer Seite der Gesandte Conrad Alexandre Gérard, auf amerikanischer Seite Benjamin Franklin, Silas Deane und Arthur Lee. Der Vertrag legte eine gegenseitige Militärallianz gegen Großbritannien fest. Wesentliche Bestimmungen waren zum Beispiel:
- Gegenseitige Beistandspflicht: Sollten Frankreich und Großbritannien in Krieg geraten bzw. Großbritannien den Krieg gegen die USA ausweiten, verpflichteten sich beide Bündnispartner, „gemeinsame Sache“ zu machen und einander militärisch beizustehen. Frankreich versicherte, die amerikanische Republik mit Geld, Truppen und Flotte zu unterstützen.
- Verbot eines Separatfriedens: Weder die USA noch Frankreich durften mit Großbritannien einzeln Frieden schließen, ohne dass die andere Seite zustimmte. Artikel 8 des Vertrags verbot explizit, einen Frieden oder Waffenstillstand einseitig zu schließen, und verpflichtete beide, ihre Waffen nicht niederzulegen, bis die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten gesichert wäre.
- Anerkennung der Unabhängigkeit: Frankreich erkannte mit dem Bündnis offiziell die Souveränität der Vereinigten Staaten an. Im Vorwort des Vertrags wurde formuliert, dass das „wesentliche Ziel dieses defensive Bündnisses“ die Erhaltung der „absoluten und uneingeschränkten Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten“ sei. Zeitgleich wurde im Freundschaftsvertrag ausdrücklich festgehalten, dass die USA und Frankreich Handel treiben dürften.
- Territoriale Regelungen: König Ludwig XVI. verzichtete dauerhaft auf alle Ansprüche in Nordamerika, die zuvor Großbritannien gehörten (z. B. Bermuda und frühere britische Kolonien in Amerika). Umgekehrt garantierte Frankreich indirekt, dass es die amerikanischen Expansionspläne nicht behindern werde. So wurden US-Versuche, verbliebenes britisches Gebiet in Nordamerika zu erobern, durch den Vertrag gedeckt.
Neben diesen Hauptartikeln gab es zusätzliche Bestimmungen (z. B. eine geheime Klausel zur Beteiligung anderer Mächte, wie Spanien). Der Vertrag trat nach Austausch der Ratifikationsurkunden formell im Mai 1778 in Kraft.
Auswirkungen

Der Bündnisvertrag hatte unmittelbar kriegsentscheidende Folgen. Am 17. März 1778 erklärte Großbritannien Frankreich den Krieg. Der Konflikt weitete sich damit zu einem europäischen und globalen Krieg aus: Spanien (1779) und die Niederlande (1780) traten auf französischer Seite in den Krieg ein, was die britischen Streitkräfte auf mehrere Kriegsschauplätze verteilte. Frankreich griff auch britische Besitzungen in Indien an. Für die Amerikaner bedeutete das Bündnis lebenswichtige Unterstützung: Frankreich lieferte Geld, Waffen und Soldaten und stellte seiner Marine die Häfen offen. 1779 griff eine französische Flotte britische Schiffe im Atlantik an, und im Yorktown-Feldzug 1781 belagerten französische Truppen gemeinsam mit Washingtons Kontinentalarmee General Cornwallis Truppen in Yorktown. Die Einnahme von Yorktown war der Wendepunkt: Cornwallis kapitulierte am 17. Oktober 1781, und kurz darauf begannen Verhandlungen über einen Frieden. Ohne die Allianz mit Frankreich wäre ein Sieg der Kolonisten gegen Großbritannien kaum möglich gewesen. Im Pariser Friedensvertrag von 1783 erkannte Großbritannien schließlich die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten offiziell an.
Der Vertrag von 1778 blieb formal über das Kriegsende hinaus in Kraft. Nach der Französischen Revolution kam es jedoch zu Spannungen: Die USA erklärten 1798 die 1778er Verträge für aufgehoben und Frankreich sah den Jay-Vertrag von 1794 als Bruch des Büdnisses an. Im so genannten Quasi-Krieg entbrannten unautorisiert Scharmützel zwischen US- und französischen Schiffen. Erst der Vertrag von Mortefontaine (Convention of 1800) beendete die Konfrontation und ersetzte die Abkommen von 1778.