Support
Kostenlose Download- und Informationsplattform

König „Vogel“ ist der Behelfsname für einen altägyptischen König (Pharaos) der 1. oder 2. Dynastie, welcher um 2850 v. Chr. regiert haben könnte.

Vogel (König)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Vogel in Hieroglyphen

Fragment aus Kalzit-Alabaster, das König „Vogel“ zugesprochen wird

König „Vogel“ ist der Behelfsname für einen altägyptischen König (Pharaos) der 1. oder 2. Dynastie, welcher um 2850 v. Chr. regiert haben könnte.

Über diesen Herrscher ist jedoch so gut wie nichts bekannt. Seine möglichen verwandtschaftlichen Verhältnisse und Familienzugehörigkeit sind genauso unklar und strittig wie seine Position in den frühen Dynastien der ägyptischen Chronologie.

Name und Identität

Bereits beim Namen dieses Regenten herrscht in der Ägyptologie große Unsicherheit, weil die sehr wenigen Artefakte, die seine Existenz belegen könnten, stark beschädigt sind oder der Name des Herrschers äußerst nachlässig abgezeichnet wurde, so dass die Hieroglyphe, die den Horusnamen bildet, nicht eindeutig identifiziert werden kann.

So ist sich die Mehrheit der Ägyptologen, darunter Wolfgang Helck und Peter Kaplony, zumindest darin einig, es bei der vogelähnlichen Gestalt im Serech mit einem gänseähnlichen Vogel zu tun zu haben. Wolfgang Helck zum Beispiel ist von den Gardiner-Zeichen G38 und G39 überzeugt und liest den Namen daher als „Hor Sa“ oder „Hor Geb“. Der Ägyptologe Nabil Swelim hingegen will das Zeichen G29 (ein Sattelstorch) erkannt haben und liest den Namen als „Hor Ba“.

Funde und ihre Deutungsmöglichkeiten

Fragment aus Grünschiefer mit umstrittenem Horusnamen

Diesen Herrscher chronologisch exakt zuzuordnen, fällt Archäologen und Ägyptologen außerordentlich schwer, da König „Vogel“ nur durch drei Gefäßfragmente belegt ist, auf denen sein Name erscheint: Die Scherbe R.T.II pl.8A,6 wurde von Flinders Petrie im Grab des Königs Qaa in Abydos entdeckt. Auf ihr sind nur der obere Teil des Serech und der Horusfalke erhalten. Die Gefäßbruchstücke P.D.IV n.97 und P.D.IV n.108 hingegen wurden in Sakkara gefunden und sind durch Abrieb recht unleserlich geworden, wobei auf letzterer Scherbe immerhin die Vogelgestalt sehr gut zutage tritt.

Bereits die Entdecker Pierre Lacau und Jean-Philippe Lauer, welche die Objekte in Augenschein nahmen, beklagten, dass die Vogel-Darstellung im königlichen Serech sehr detailarm gehalten ist und der Name daher nicht eindeutig zu bestimmen sei. Sie weisen jedoch auf die Beischriften auf Fragment P.D.IV n.97 und P.D.IV n.108 hin, die mit jenen der Könige Qaa und Hetepsechemui übereinstimmen. Dazu zählen besonders die Darstellungen der Institutionen Hut Sa-Ha-Neb und Per-nesut, welche die Serechs der beiden vorgenannten Herrscher begleiten. Weil auf den Gefäßfragmenten aus Sakkara exakt dieselben Institutionen erscheinen, die aus Gefäßaufschriften von Qaa und Hetepsechemui bekannt sind, gehen verschiedene Ägyptologen wie beispielsweise Peter Kaplony davon aus, dass König „Vogel“ für eine ganz kurze Zeit nach Qaa regierte. In dieselbe Zeit wie „Vogel“ fällt auch der Name von König Sneferka, der chronologisch zwischen Qaa und Hetepsechemui vermutet wird.

Nach Helck und Kaplony könnte es zwischen König „Vogel“ und Seneferka zu Thronstreitigkeiten gekommen sein, die darin gipfelten, dass der Königsfriedhof von Abydos geschlossen und sogar öffentlich geplündert wurde. Entsprechende Spuren und Funde wurden von Walter Bryan Emery entdeckt. Dies erklärt auch, warum zum einen Herrscherauflistungen auf Steingefäßen abrupt mit Qaa enden und zum anderen königliche Begräbnisse nach Sakkara verlegt wurden. Der Begründer der 2. Dynastie, König Hetepsechemui, ging vielleicht mit militärischer Gewalt gegen die beiden Herrscher vor, triumphierte und ließ mindestens das Grab des Qaa wieder herrichten. Die Namen von König „Vogel“ und Sneferka erscheinen nicht in späteren Königslisten. Auch Wolfgang Helck argwöhnt Thronwirren und vermutet, dass hier möglicherweise gar eine komplette „Klein-Dynastie“ entweder einer sogenannten Damnatio memoriae zum Opfer fiel oder die Herrscher so kurz regierten, dass ihre Namen im Verlauf der Geschichte gewissermaßen untergingen. Er weist ergänzend auf die Eigentümlichkeit hin, dass bis König Qaa regelmäßig Gefäße und Tonsiegel mit kurzen Herrscherlisten in diversen Mastabas und Königsgräbern gefunden wurden, ein weiteres Mal im Galeriegrab des Ninetjer aus der 2. Dynastie, wo die Horusnamen von Hetepsechemui, Raneb und Ninetjer gemeinsam aufgereiht sind. Eine solche „Königsliste“ fehlt für die Übergangszeit von 1. zu 2. Dynastie.

Oben