Verträglichkeit (englisch agreeableness) ist eine der Dimensionen im Fünf-Faktoren-Modell (FFM) der Persönlichkeit. Personen, die verträglich sind, zeichnen sich durch Altruismus und Hilfsbereitschaft aus. Menschen mit niedrigen Werten werden als streitbar, egozentrisch, gegensätzlich und misstrauisch gegenüber den Absichten anderer beschrieben. Sie verhalten sich eher wettbewerbsorientiert als kooperativ.
Facetten
Verträglichkeit umfasst sechs Facetten:
- Vertrauen (misstrauisch, skeptisch, zynisch vs. arglos, gutgläubig, vertrauensvoll)
- Freimütigkeit (arglistig, berechnend, unehrlich vs. aufrichtig, grundehrlich, offenherzig)
- Altruismus (egoistisch, ichbezogen, selbstsüchtig vs. großzügig, hilfsbereit, rücksichtsvoll)
- Entgegenkommen (rechthaberisch, unnachgiebig, streitsüchtig vs. gutwillig, nachgiebig, versöhnlich)
- Bescheidenheit (arrogant, eitel, wichtigtuerisch vs. bescheiden, genügsam, uneitel)
- Gutherzigkeit (hartherzig, mitleidlos, unbarmherzig vs. gutmütig, mitfühlend, verständnisvoll)
Messung
Die Messung der Verträglichkeit erfolgt über Persönlichkeitstests. Ein sehr verbreiteter Test ist der NEO-FFI bzw. NEO-PI-R nach Costa & McCrae (vgl. Amelang & Bartussek, 2004). Eine aktuelle Entwicklung ist das „Trierer Integriertes Persönlichkeitsinventar“.
Soziale Erwünschtheit
Extrem hohe Werte, also zu übermäßiges Vertrauen und Entgegenkommen, können als naiv wahrgenommen werden. Dennoch sind hohe Werte generell eher sozial erwünscht als niedrige. Extrem niedrige Werte (Antagonismus) sind mit der dissozialen, narzisstischen und paranoiden Persönlichkeitsstörung verbunden und daher generell unerwünscht. Nach ICD-11 können hohe antagonistische Werte für die Diagnose Persönlichkeitsstörung durch das Merkmal 6D11.2 Dissozialität angegeben werden.
- Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
- Persönlichkeitstheorie