| Tuz Gölü | ||
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| Satellitenaufnahme (NASA) des Tuz Gölü | ||
| Geographische Lage | Konya, Aksaray, Ankara (Türkei) | |
| Zuflüsse | Peçenek Deresi, Melendiz Çayı | |
| Abfluss | abflusslos | |
| Orte am Ufer | Şereflikoçhisar | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 38° 46′ N, 33° 21′ O | |
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| Höhe über Meeresspiegel | 925 m | |
| Fläche | 1 500 km² | |
| Länge | 100 km | |
| Breite | 50 km | |
| Maximale Tiefe | 2 m | |

Der Tuz Gölü (türkisch für „Salzsee“, in der Antike lat. als Lacus Tatta bekannt) ist ein Salzsee in der Türkei und nach dem Vansee der zweitgrößte See des Landes. Mit 32,9 Prozent Salzanteil ist er einer der salzhaltigsten Seen der Welt. In den letzten Jahren hat sich der Tuz-See zu einem beliebten Reiseziel für Touristen entwickelt.
Gleichnamige Seen liegen (u. a.) auf der Halbinsel Gelibolu und auf der Ägäis-Insel Gökçeada (Tuz Gölü).
Beschreibung

Der Tuz Gölü ist mit einer Fläche von (je nach Wasserstand) ca. 1.665 km² der zweitgrößte See der Türkei und einer der größten hypersalinen Seen der Welt. Er liegt im in einer tektonischen Senke im trockenen Hochland von Zentralanatolien, 105 km nordöstlich von Konya, 150 km südsüdöstlich von Ankara und 57 km nordwestlich von Aksaray. Südwestlich liegt die Sommersiedlung Ilıca Yaylası (Bolluk Gölü).
Abhängig vom Winkel des einfallenden Lichts kann die Oberfläche des Sees verschiedene Farben annehmen. Den besten Ausblick auf den See hat man von Şereflikoçhisar an der Hauptstraße D750 von Ankara nach Aksaray. Der See ist von Ackerland umgeben, außer im Süden und Südwesten, wo sich eine ausgedehnte, saisonal überflutete Salzsteppe erstreckt.
Der Salzsee hat keinen Abfluss und wird durch zwei Zuflüsse, Niederschläge (250 mm im Jahr) und Grundwasser gespeist. An den Stellen, an denen Kanäle und Bäche in den See münden, haben sich Brackwassersümpfe gebildet.
Den größten Teil des Jahres über ist der See sehr flach (Tiefe ca. 0,4&nnbsp;m). Im Winter löst sich ein Teil des Salzes im Süßwasser auf, das durch Niederschläge und Oberflächenabfluss in den See gelangt; der Salzgehalt beträgt dann etwa 32–34 %. In den trockeneren Sommermonaten, vornehmlich im August, entsteht durch Verdunstung eine durchschnittlich 30 cm dicke kristalline Salzschicht. Dieser Mechanismus bildet die Grundlage für den Betrieb der Salzminen im See. Die drei im See betriebenen Minen produzieren etwa 63–70 % des in der Türkei konsumierten Salzes. Dieser Salzabbau sorgt für industrielle Aktivität in der Region, die hauptsächlich mit der Salzverarbeitung und -raffination zusammenhängt. In den letzten Jahren gab es ein Projekt zur Speicherung von Erdgas unter dem Salzsee.
Nachdem der See bereits in den Jahren 2008 und 2016 vorübergehend ausgetrocknet war, trocknete er wieder im Oktober 2021 vorübergehend vollständig aus. Dies wird auf den Klimawandel und nicht nachhaltiger Bewässerungspraktiken zurückgeführt.
Geologie
Entstehung
Die tektonische Absenkung im unteren Tuz-Gölü-Becken erfolgte während der späten Oberkreide (oberes Senonium) bis zum unteren Mitteleozän. Das untere Tuz-Gölü-Becken bildete dadurch zusammen mit der Region Haymana eine einzige, sich nach Norden hin erstreckende Senke. Später folgte eine Regression (Zurückbildung), die im Obereozän einsetzte und bis zum Ende des Oligozäns andauerte. Das Haymana-Becken, das sich nach der Ablagerung der von Nummuliten-Kalkstein im mittleren Eozäns hob, trennte das Tuz-Gölü-Becken durch eine Verwerfungszone entlang des östlichen Randes der Karacadağ-Hebung ab.
Die Verbindung des Tuz Gölü mit dem nordnordöstlich gelegenen Çankırı-Becken entstand im Pliozän und bestand während des mittleren Eozäns bis zum Oligozän fort, als sich das Becken des Sees zu einem Graben entwickelte, der von den nordwestlichen und nordöstlichen Verwerfungszonen begrenzt wurde. Nach der Hauptverformung im späten Oligozän oder Miozän bildeten sich im Neogen lokale Ablagerungsbecken, in denen vulkanisches Gestein unterschiedlicher Mächtigkeit sowie terrestrische Sedimente (darunter Kalkstein des Sees), abgelagert wurden. Spannungsbewegungen im Neogen bis ins Pliozän führten zu vulkanischen Aktivitäten, die bis in historische Zeiten reichen.
Geologische Struktur
Die geologische Struktur des Sees weist eine Salzschicht unterschiedlicher Dichte auf, die sich über eine Länge von ca. 1 km durchgehend erstreckt. Diese Schicht gewährleistet die Kontinuität der Salzgewinnung rund um den See, indem sie eine lange wirtschaftliche Lebensdauer der regionalen Salzindustrie garantiert.
Im Tuz-Gölü-Becken reicht die 10 km mächtige Abfolge von Gesteinsschichten in ihrem Alter von der Oberkreide bis zur Gegenwart. Während sich in den tiefen Bereichen des Beckens Einheiten wie Schiefer, Sandstein, Rundkiesel (englisch pebble stone) und Kalkstein ablagerten, die im Allgemeinen Flysch-Charakter aufweisen und vertikal sowie lateral miteinander in Wechselwirkung stehen, gibt in den Randbereichen des Beckens nachweislich auch terrestrische und flachmarine Ablagerungen.
Konglomerate und Sandsteine (zu deren Entstehung hohe Energie nötig sind), wurden in flachen marinen und terrestrischen Umgebungen abgelagert; Schiefer, Kalkstein, Gips und Anhydrit konnten sich dagegen in ruhigen Perioden bilden. Die Grundgesteinseinheiten – die Formationen Demirözü (Temirözü) und Mollaresul, der Ankara-Komplex und der kristalline Kırşehir-Komplex finden sich im Norden und Nordosten des Tuz-Gölü-Beckens, die niedriggradig metamorphen Gesteine bildeten sich dagegen im Westen und Südwesten.
Vorgeschichte und Geschichte

In prähistorischer Zeit war der Tuz Gölü (alias Tatta-See) ein riesiger Süßwassersee, der deutlich größer war in Fläche und Tiefe (verglichen mit seinem Zustand heute im Winter). Zahlreiche Flüsse mündeten in den See und es gab auch einen Abfluss. Dadurch konnte sich damals ein reichhaltiges Ökosystem bilden, das das Landesinnere Zentralanatoliens prägte. Die umliegende Landschaft war von dichter Vegetation bedeckt und schuf so eine fruchtbare Umgebung, in der einige der frühesten bekannten Zivilisationen, darunter die Hethiter und andere anatolische Völker, existierten. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass diese frühen Gesellschaften an den Ufern des Sees florierten und sich für Landwirtschaft, Fischerei und Handel auf dessen reichhaltige Wasserressourcen stützten.
Nach der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit bzw. Würm-Kaltzeit), vor 11.000 bis 5.000 Jahren, erfuhr die zentralanatolische Steppe erhebliche Veränderungen. Mit dem Anstieg der globalen Temperaturen verschoben sich die Niederschlagsmuster, und viele der Flüsse, die einst den Tatta-See speisten, versiegten oder änderten ihren Lauf. Im Laufe der Zeit schrumpfte der See allmählich, seine Süßwasserversorgung nahm ab und sein Salzgehalt stieg an. Die einst üppige Landschaft wich einer trockenen Steppe, was den Wandel der Region zu ihrer heutigen semiariden Form markierte. Diese allmähliche Aridisierung (Austrocknung) veränderte nicht nur den See, sondern wirkte sich auch auf die Zivilisationen aus, die einst in seiner Nähe gediehen waren. Als die Wasserquellen versiegten, passten sich die frühen anatolischen Bevölkerungsgruppen an, indem sie wanderten, neue Techniken zum Wassermanagement entwickelten oder sich im Rahmen des demografischen Wandels während des holozänen Klimamaoptimums (Atlantikum) in aufstrebende städtische Zentren in anderen Teilen der Region integrierten.
In der Antike war der Tuz Gölü als Tatta-See (lateinisch lacus tatta) bekannt; er lag damals an der Grenze zwischen dem antiken Lykaonien und Galatien – die ursprünglich zu Phrygien gehörende Region wurde später Lykaonien angegliedert. Schon antike Quellen beschrieben den See als äußerst salzhaltig: sein Wasser war so reich an Salzlake war, dass jeder hineingetauchte Gegenstand sofort mit einer dicken Salzschicht überzogen wurde. Sogar die Flügel von Vögeln, die zu nahe der Oberfläche flogen, wurden mit Salzpartikeln benetzt, sodass sie nicht mehr in die Luft aufsteigen konnten und dann leicht eingefangen werden konnten.Stephanos von Byzanz spricht von einem Salzsee in Phrygien, den er Attaea (altgriechisch Ἄτταια) nennt; in dessen Nähe befand sich eine Stadt namens Botieum (Botiaeion), die vorläufig mit den heutigen Ortschaften Şereflikoçhisar oder Eskil in Verbindung gebracht wird.
Ökologie

Flora
Am Rand des Sees wachsen Binsen (Juncus sp.). An einigen Stellen wuchern auf dem Boden flache Dornengewächse, beispielsweise die Steppenraute (Peganum harmala, türkisch Üzerlik); am Ufer befinden sich einige Distelgewächse (mit ca. 1 m Abstand voneinander).
Mit etwa 500 Brutpaaren befindet sich hier die zweitgrößte Kolonie von Armeniermöwen (Larus armenicus) in der Türkei.
Fauna

Ein großer Teil der türkischen Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus) nistet hier. Im Sommer 2021 erlosch diese Population jedoch weitestgehend, aufgrund Wassermangels während einer Dürre und nachdem im Laufe von Jahrzehnten immer mehr Wasser zwecks landwirtschaftlicher Bewässerung umgeleitet worden war. Um erneutes vollständiges Austrocknen zu verhindern, wurden in den folgenden Jahren Naturschutzmaßnahmen getroffenen. Im Sommer 2026 wurden diese von Erfolg gekrönt, als dort wieder 12.800 Flamingoküken schlüpften. Damit konnten die Verluste aus früheren Jahren mehr als ausgeglichen werden, so Fahri Tunç, Vorsitzender des Vereins „Doğaya Kuş Bakışı ve Ekoloji (Natur und Ökologie aus der Vogelperspektive)“
Es wurde berichtet, dass die winzig kleinen Salinenkrebse (Artemia salina, „Urzeitkrebse“) an der Ostseite des Tuz Gölü zwischen den Orten Çalören und Devekonağ (alias Devekovan) in einem ca. 10 km breiten Küstenstreifen vorkommen, und zwar in einer rein weiblichen Population; dies sich zwischen April und Juli reproduziert.
Mikrobiota
Im Winter hat der See eine eisblaue Farbe. Im Sommer (ab etwa Mai) färbt sich das Wasser des Salzsees rosa bis pink. Als Ursache dafür gilt die Grünalge Dunaliella salina. Bei dem hohen Salzgehalt in den Sommermonaten und starker Sonneneinstrahlung produziert die Alge vermehrt das Pigment Betacarotin, wodurch sie das Wasser rötlich färbt, ähnlich wie auch an anderen Seen (Retba-See im Senegal, Sywaschsee und Sassyksee (Krim), sowie – zusammen mit andren Mikroben – bei den australischen Seen Lake Hillier und Lake Tyrrell). Dunaliella Salina dient dabei den an dem See lebenden Flamingos als Nahrung, die Algen färben dann das Gefieder der Vögel rosa.
Bildergalerie
Die salzigen Ufer des Tuz Gölü (April 2017)
Wolkenformation am Tuz Gölü (Juni 2021)
Leerer Stuhl im Tuz Gölü mit Salzkruste (Juni 2015)
Sonnenuntergang am Tuz Gölü bei Şereflikoçhisar (2009)
Ufer des Tuz Gölü, gesehen von der Autostraße (Mai 2019)- Touristen am Tuz Gölü (Juli 2015)
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