Theben, im Alten Ägypten als Waset, Niut oder Niut-reset bekannt, war eine bedeutende Stadt am Nil in Oberägypten. Von den Griechen wurde sie als Thēbai bezeichnet, während die Römer sie Thebae oder Diospolis Magna nannten. Heute befindet sich an der Stelle des antiken Theben die moderne Stadt Luxor, die ein wichtiges touristisches Zentrum Ägyptens darstellt.
| Antikes Theben mit seiner Nekropole | |
|---|---|
| UNESCO-Welterbe | |
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| Kolonnade des Luxor-Tempels | |
| Vertragsstaat(en): | |
| Typ: | Kultur |
| Kriterien: | (i)(iii)(vi) |
| Fläche: | 7.390,16 ha |
| Pufferzone: | 443,55 ha |
| Referenz-Nr.: | 87 |
| UNESCO-Region: | Arabische Staaten |
| Geschichte der Einschreibung | |
| Einschreibung: | 1979 (Sitzung 3) |
Geographie und Ausdehnung
Theben erstreckte sich auf beiden Seiten des Nils und gliederte sich in Theben-Ost und Theben-West. Die Stadt lag in einer Schwemmebene, die durch künstliche Aufschüttungen und Deichanlagen vor den Nilfluten geschützt wurde. Das Stadtgebiet umfasste spätestens seit dem Neuen Reich beide Nilufer.
Daneben existierte als weiterer Ort das nördliche „unterägyptische Theben“ in Tell el-Balamun im Nildelta.
Etymologie
| Theben in Hieroglyphen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Waset W3st „Die (Stadt) des Was-Zepters“ | |||||
| Niut Njwt „Die Stadt“ | |||||
| Niut-reset Njwt-rst „Südliche Stadt“ | |||||
| Griechisch | Θῆβαι, Thēbai Διὸς Πόλις Μεγάλη, Diòs Pólis Megálē („Große Stadt des Zeus“) | ||||
| Koptisch | Tape / Thaba | ||||
Homer nannte es das hunderttorige Theben in seiner Ilias (9. Gesang, Vers 383); das griechische Theben in Böotien nannte er dagegen siebentorig (4. Gesang, Vers 406).
Von den Griechen der Ptolemäerzeit ist der Name Θῆβαι Thēbai (Theben) überliefert, aber auch die Bezeichnung Διὸς Πόλις Μεγάλη Diòs Pólis Megálē ‚große Stadt des Zeus‘, woraus in der Zeit des Römischen Reiches die Benennungen Thebae beziehungsweise Diospolis Magna abgeleitet wurden.
Geschichte
Frühzeit bis Mittleres Reich

Das Gebiet von Theben wurde mindestens seit der mittleren Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Die Gründung Thebens ist nicht überliefert. In die 4. Dynastie datieren zwei große Mastabas, die man in el-Tarif (Theben-West) ausgrub. An das Ende des Alten Reiches datieren einige dekorierte Felsengräber, die immerhin belegen, dass Theben schon in dieser Zeit besiedelt und wohl eine, wenn vielleicht eher kleine, Stadt war.
Die Stadt tritt erstmals in der Geschichte deutlich in der 11. Dynastie auf (ca. 21. Jahrhundert v. Chr.). In dieser Zeit entwickelte sich Theben zur Hauptstadt des Landes. In el-Tarif finden sich die sogenannten Saff-Gräber der frühen Könige der 11. Dynastie (der Antef-Könige). In Deir el-Bahari ließ Mentuhotep II. seinen Totentempel und seine Grabanlage errichten, die der späten 11. Dynastie zuzurechnen sind. Obwohl zu Beginn der 12. Dynastie die Hauptstadt in den Norden verlegt wurde, blieb Theben eine bedeutende Stadt. Sesostris I. erweiterte den dortigen Tempel des Amun.

In der 13. Dynastie gewann die Stadt weiter an Bedeutung. Der Hof scheint hier immer häufiger residiert zu haben. Es gibt zahlreiche Stiftungen von Statuen an den Amun-Tempel. Theben wurde in der weiteren Zweiten Zwischenzeit wieder Hauptstadt, nachdem der Norden des Landes von den Hyksos regiert wurde. Nach der Vertreibung der Hyksos durch Ahmose I. und der Wiederherstellung der Tempel, die während dieser Zeit in Mitleidenschaft gezogen worden waren, entstanden ab der 18. Dynastie die außerordentlichen Bauten, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte verschönert, vergrößert und erweitert wurden und die Stadt zu einem der bedeutendsten religiösen Zentren des Altertums erhoben haben.
Neues Reich und Dritte Zwischenzeit
Theben blieb zwar in der frühen 18. Dynastie eine wichtige Königsresidenz, Hauptkultort und auch Hauptnekropole des Landes, die eigentliche Verwaltungszentrale Ägyptens scheint sich aber schon früh wieder nördlich nach Memphis verlagert zu haben. Insbesondere nach der Regierungszeit Echnatons blieb die Stadt nur noch Hauptkultort des Landes und königliche Nekropole. Unter Tutanchamun zog der Hof endgültig nach Memphis.
Während der Dritten Zwischenzeit übten die thebanischen Priester des Amun‑Kults zunehmend politische Macht in Oberägypten aus. Die Hohepriester des Amun traten faktisch als Herrscher auf, während spätere Dynastien die Gottesgemahlinnen des Amun in zentraler kultischer und politischer Position einsetzten.
Spätzeit und Niedergang
663 v. Chr. verwüsteten die Assyrer unter Assurbanipal die Stadt und deren Heiligtümer. Die Bibel verweist an mehreren Stellen auf diese und spätere Zerstörungen (Hes 30,14ff. EU; Jer 46,25 EU; Nah 3,8 EU). In diesen Bibelstellen wird die Stadt als No-Amon (hebräisch נֹא אָמוֹן) bezeichnet, wörtlich „Stadt (des) Amun“, was auf die zentrale kultische Rolle des Amun-Tempels verweist. Auch unter den Persern soll Theben stark gelitten haben und hat nie wieder zu seiner alten Bedeutung zurückfinden können. Die Verlegung der Residenz unter den letzten Dynastien nach den Städten des Nildeltas und der Aufschwung Alexandrias unter den Ptolemäern entzogen ihr die Lebenskraft.
Eine 88 v. Chr. begonnene Revolte gegen Ptolemaios IX. brachte der Stadt schließlich den Untergang. Nach dreijährigem Widerstand ließ der König die Stadt nach seinem Sieg niederbrennen. Strabon fand hier später nur einige ärmliche Ortschaften um die vier Haupttempel gruppiert. Die Stadt scheint sich aber recht schnell wieder erholt zu haben und blieb auch in römischer Zeit von einiger Bedeutung, obwohl sie ihre Bedeutung als Verwaltungssitz verlor. Sie wurde nun als „Diospolis magna“ bezeichnet. Nahe dem Luxortempel wurde eine Einheit römischer Soldaten stationiert. Am Ende des dritten Jahrhunderts wurde sie sogar für eine gewisse Zeit Hauptstadt der neu eingerichteten Provinz Thebais. Kaiser Diokletian (284–305 n. Chr.) ließ auf dem Gelände des Luxor-Tempels ein Militärlager für die Legio II Flavia Constantia und Legio I Maximiana errichten. Der Tempel selbst diente dabei dem Kaiserkult.
Herodot berichtet, dass eine Schiffspassage auf dem Nil von Theben bis Heliopolis neun Tage dauere und eine Strecke von 4.860 Stadien beziehungsweise 81 Schoinen (etwa 900 Kilometer) beinhalte; von Theben nach Elephantine benötige man per Schiff drei Tage für die Strecke von 1.800 Stadien beziehungsweise 30 Schoinen (etwa 330 Kilometer). Für die Distanz von Theben bis zur Mittelmeerküste nennt Herodot eine Entfernung von 6.120 Stadien beziehungsweise 102 Schoinen (etwa 1.130 Kilometer).
Moderne
An der Stelle Thebens war zu Ende des 19. Jahrhunderts nur noch ein ausgedehntes Ruinenfeld zu beiden Seiten des Nils vorhanden.
Am 24. Dezember 1904 weihte der Architekt und Ägyptologe Ludwig Borchardt das Deutsche Haus in Theben-West ein – errichtet mit Mitteln Kaiser Wilhelms II. als internationales Gästehaus zunächst für das Wörterbuch-Projekt. Später wurde es zum regulären Grabungshaus des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo.
Bedeutung
Religiöses Zentrum
Theben entwickelte sich zum bedeutendsten religiösen Zentrum des Alten Ägypten, insbesondere als Hauptkultort des Gottes Amun. Der Aufstieg Thebens zur Hauptstadt während des Mittleren Reiches führte zu einer wachsenden Bedeutung der thebanischen Tempel und ihrer Kulte. Der Kult des Amun entwickelte sich zum wichtigsten Reichskult. Amun, dessen Name „der Verborgene“ bedeutet, wurde spätestens in der 11. Dynastie mit dem Sonnengott Re zur synkretistischen Gottheit Amun-Re verschmolzen. Der Tempelkomplex von Karnak, der Amun gewidmet war, wuchs im Laufe der Zeit zu einer gigantischen Tempelstadt heran und wurde zum bedeutendsten Heiligtum Ägyptens.
Theben war für seine großen religiösen Feste und Götterprozessionen bekannt. Diese Feste waren von großen Festzügen geprägt, bei denen die Statuen der Götter, insbesondere die des Amun, von Heiligtum zu Heiligtum getragen wurden. Der Tempel von Karnak war über Prozessionswege mit dem Tempel von Luxor und den Totentempeln der Könige in West-Theben verbunden.
Politische Bedeutung
Die religiöse Bedeutung Thebens ging einher mit seiner politischen Macht. Der Amun-Tempel blieb auch während der Dritten Zwischenzeit und Spätzeit ein wichtiges politisches Zentrum in Oberägypten. In der 21. Dynastie übten die Hohenpriester des Amun faktisch als Herrscher von Oberägypten die politische Kontrolle aus. Ab der 23. Dynastie traten die Gottesgemahlinnen des Amun als zölibatär lebende Priesterinnen an ihre Stelle und übernahmen kultische wie politische Repräsentation.
Archäologische Stätten und Monumente
Heute bezeichnet Theben häufig nur noch das Gebiet auf der westlichen Nilseite, also Theben-West. Luxor schließt gelegentlich den Ort Karnak mit ein und wird synonym zu Theben-Ost verwendet.
Theben-Ost (Östliches Nilufer)

Der Karnak-Tempel ist einer der größten und bedeutendsten Tempelkomplexe des Alten Ägypten und war dem Gott Amun, seiner Gemahlin Mut sowie ihrem gemeinsamen Sohn, dem Mondgott Chons, geweiht. Die ältesten Baureste des Tempelkomplexes datieren in die 11. Dynastie. Erste gesicherte Belege stammen aus der Regierungszeit Antefs II. (ca. 2118–2069 v. Chr.). Die monumentale Hauptphase der Errichtung begann in der 12. Dynastie. Zu den beeindruckendsten Bereichen gehört der große Säulensaal mit 134 Papyrussäulen.
Der Luxor-Tempel, auch als Ipet-reset bekannt, wurde während des Neuen Reichs (1550 bis 1070 v. Chr.) erbaut. Er war ebenso Amun, Mut und Khonsu gewidmet. Der Tempel spielte eine wichtige Rolle beim jährlichen Opet-Fest und bei der Vergöttlichung des Pharaos.
Die Sphinxallee (arabisch: Tariq al-Kabbash), eine ca. 2,7 km lange Prozessionsstraße mit ursprünglich 1.057 Sphinxstatuen, verbindet den Karnak-Tempel mit dem Luxor-Tempel. Sie wurde nach 16 Jahren Restaurierungsarbeit am 25. November 2021 wiedereröffnet.
Theben-West (Westliches Nilufer)

| Theben-West in Hieroglyphen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Imentet-Waset Jmntt-W3st Westliches Theben | |||||
| Imentet-Niut Jmntt-Njwt Westliche Stadt | |||||
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Theben-West bildete eine riesige Nekropole, die verschiedene Bereiche umfasste. Das Tal der Könige (Bibân el-Molûk), in dem die Pharaonen des Neuen Reichs (ca. 1550 bis 1070 v. Chr., 18. bis 20. Dynastie) bestattet wurden, liegt etwa 5 km nordwestlich des Zentrums des heutigen Luxor. Südlich davon befindet sich das Tal der Königinnen (Bibân el-Harîm) mit den Grabstätten von Königinnen und anderer Mitglieder der königlichen Familie, und dazwischen liegen weitere Nekropolen wie Dra Abu el-Naga, el-Chocha, al-Asasif, Deir el-Bahari, Scheich Abd el-Qurna, Qurnet Murrai und das Dorf der Nekropolenarbeiter Deir el-Medina (Dêr el-Medîne) mit den „Gräbern der Noblen“.
Die Nekropolenbereiche Theben-Wests wurden auch in der Spätantike und frühchristlichen Zeit intensiv genutzt. Auf dem Bergrücken von Dra Abu el-Naga entstand ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. die koptische Klosteranlage Deir el-Bachit (Pauloskloster), die bis ins frühe 10. Jahrhundert bewohnt war.
- Weitere Denkmäler
- Totentempel
- Medinet Habu mit dem großen Tempel des Ramses III.
- Ramesseum
- Totentempel der Hatschepsut und des Mentuhotep II. in Deir el-Bahari
- Totentempel des Sethos I. in Qurna (Kurna)
- Memnonkolosse am Totentempel des Amenophis III.
Hinter dem rechts der Bildmitte liegenden Teil des Bergmassivs liegt das Tal der Könige.
Weltkulturerbe
Das antike Theben mit seiner Nekropole wurde 1979 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Welterbestätte umfasst die Tempel von Karnak und Luxor sowie die großen Nekropolen auf dem Westufer (u. a. Tal der Könige, Tal der Königinnen, Deir el‑Bahari) und gliedert sich in drei Teilbereiche auf Ost‑ und Westufer des Nils. Die Fläche beträgt 7.390 Hektar, die Pufferzone ca. 444 Hektar.
Theben wurde aufgrund folgender Kriterien in die Welterbeliste eingetragen:
- Kriterium (i): Die Tempel‑ und Grabbauten von Theben (z. B. Karnak‑ und Luxor‑Tempel, Totentempel und Gräber des Neuen Reiches) zählen zu den faszinierendsten Schöpfungen der Antike.
- Kriterium (iii): Die wenigen erhaltenen Bauwerke von Theben sind ein einzigartiges Zeugnis der thebanischen Monumentalkomplexe.
- Kriterium (vi): Das Ensemble aus Tempeln, Gräbern, Inschriften und bildlichen Darstellungen stellt ein außergewöhnliches Zeugnis der ägyptischen Geschichte vom Mittleren Reich bis in frühe christliche Zeit dar und bietet wichtige Informationen über benachbarte Kulturen und Länder (Syrien, Hethiter, Nubien, Punt, Libyen, Ägäis).
