Die Schiffmühle in Salesel (tschechisch Dolní Zálezly) war eine schwimmende Getreidemühle auf der Elbe in Nordböhmen. Sie ist für die Zeit des beginnenden Dreißigjährigen Krieges belegt und ging 1629 durch Kauf an den böhmischen Vizekanzler Otto von Nostitz über. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts bestand sie nicht mehr.
Anlage und Standort
Schiffmühlen waren bis in das 19. Jahrhundert ein verbreitetes Element des Elbtals; nach Überlieferungen trieb an jedem größeren Ort ein zwischen Kähnen aufgehängtes Wasserrad das Werk einer Mahlmühle an. Der genaue Standplatz der Saleseler Mühle ist nicht überliefert.
Zum Bestand der Mühle gehörten nach einem Kaufvertrag von 1629 neben dem eigentlichen Mühlschiff ein Schuppen, unter dem Leinen und anderes Gerät trocken gehalten werden konnten, eine auf Gemeindegrund gelegene Baustatt (Bauplatz) für ein kleines Haus samt dem dort lagernden zugerichteten Bauholz sowie das übrige, in einer Spezifikation aufgeführte Zubehör des Mühlwerks.
Geschichte
Besitzer und Verkauf 1629
Die Mühle befand sich im Besitz des Müllers Matthes Richter, der kurz vor 1629 starb. Seine Witwe Maria verkaufte sie mit Vertrag vom 8. Mai 1629 an Otto von Nostitz, Freiherrn und Herrn auf Falkenau, Heinrichsgrün, Tschochau und Hlinai, römisch-kaiserlichen Reichshofrat, Kämmerer, Beisitzer des Landrechts und Vizekanzler des Königreichs Böhmen. Nostitz hatte die benachbarten Herrschaften Tschochau (Řehlovice) und Hlinai (Hliňany) im Jahr zuvor erworben. Der Kaufpreis betrug 575 Schock meißnische Groschen in bar und war für die damaligen Verhältnisse hoch. Der Vertrag wurde im Tschochauer Grundbuch von 1628 auf dem ersten Blatt eingetragen; für die Gemeinde waren der Saleseler Richter Marttin Köhler und der Geschworene Gundter Seuffert zugegen.
„Es gibt Ihr Gnaden gedachte Mullerin zu kauffen ihre Schiffmuhlen sambt der Schappen, darunter die Leinen vnd Anderß drucken gehalt werden kan, So wohl eine Baustadt Zu einem Heußel mit vnd sambt den beiliegenden außgezimmerten Holz, auch aller sonst Zugehör waß Zu den Mühlwerck laut Specification von Nöthen, Pro vnd Vmb 575 Schock Meiß: Baahres Geldeß.“
Salva Guardia und Zinsverzicht
Die zur Mühle gehörende Baustatt stand auf Gemeindegrund und war der Gemeinde Salesel jährlich mit einem Schock Groschen zinsbar. Im Kaufvertrag verzichtete die Gemeinde „zu Ewigen Zeiten“ auf diesen Zins. Grund war, dass Nostitz ihr eine Salva Guardia verschafft hatte – einen obrigkeitlichen Schutzbrief, der Einquartierungen und Übergriffe durchziehender Soldaten abwehren sollte. Lipser wertete den Verzicht als Beleg dafür, wie hoch die Gemeinde einen solchen Schutz bereits einschätzte, bevor die Kriegsnot die Gegend ab 1631 unmittelbar erreichte.
„Die baustadt belanget welche auff der Gemeine zu Saleß stehet, vnd Jerlich 1 ß Zinßbar, hatt sich die gemein dahin erklert Nach deme Ihr Gnaden inen ein Salva Quardia der Soldaten halber Zuwege gebracht, daß sie auß Schuldigster Danckbarkeit Von Ihr Gnaden von dato an vnd zu Ewigen Zeiten Nichts mehr fordern vnd begehren wollen.“
Ende der Schiffmühle
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts bestand die Schiffmühle nicht mehr. In einem Kaufvertrag von 1760 über die Mühle in Staditz (Stadice) ist Salesel unter den Dörfern aufgeführt, die ihr Getreide in keiner anderen als der Staditzer Mühle mahlen lassen durften; der Ort unterlag damit dem Mühlenzwang einer landfesten Mühle.
Überlieferung
Die Kenntnis der Saleseler Schiffmühle beruht im Wesentlichen auf dem Auszug aus dem Tschochauer Grundbuch, den der Heimatforscher Heinrich Lipser 1922 in den Beiträgen zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes veröffentlichte. Lipser verband die Quellenwiedergabe mit der Anregung, die Standplätze der inzwischen verschwundenen Elbeschiffmühlen zu erkunden, da mit ihnen ein heimisches Gewerbe ausgestorben sei.
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