Support
Kostenlose Download- und Informationsplattform
  • Wikipedia

Das Kunsthaus Zürich ist mit 11'500 Quadratmeter Ausstellungsfläche das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Es besteht aus einem vierteiligen Gebäudekomplex, dem a

Kunsthaus Zürich

  • Startseite
  • Kunsthaus Zürich

Das Kunsthaus Zürich ist mit 11'500 Quadratmeter Ausstellungsfläche das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Es besteht aus einem vierteiligen Gebäudekomplex, dem alten, dreiteiligen Gebäudetrakt Moserbau, Bührlesaal und Müllerbau sowie dem 2021 eröffneten Erweiterungsbau von Chipperfield Architects Berlin. Die Bauten säumen, wie das in unmittelbarer Nähe liegende Schauspielhaus Zürich, den Heimplatz der Stadt Zürich. Das Kunstmuseum beherbergt eine der grössten Kunstsammlungen des Landes, besitzt die umfangreichste Sammlung von Werken des Schweizer Bildhauers, Malers und Grafikers Alberto Giacometti sowie eine der bedeutsamsten des Dadaismus. Zudem gehört dem Museum der repräsentativste Bestand an Gemälden von Edvard Munch ausserhalb Norwegens.

Kunsthaus Zürich

Links: Moserbau, rechts: Pfisterbau mit Bührlesaal und Kunsthausrestaurant im Erdgeschoss (2020)
Daten
Ort Heimplatz 1 und 5
8001 Zürich
Schweiz Welt-Icon47.3702788.548056Koordinaten: 47° 22′ 13″ N, 8° 32′ 53″ O; CH1903: 683794 / 247196
Art
Kunstmuseum
Architekt Karl Moser
Curjel & Moser, 1910, 1925
Gebrüder Pfister, 1958
Erwin Müller, 1976
Chipperfield Architects Berlin, 2021
Eröffnung 1910
Besucheranzahl (jährlich) 539’953 (2025)
Betreiber
Zürcher Kunstgesellschaft
Leitung
Ann Demeester, Direktorin
Alex Schneider, Vizedirektor
Website
www.kunsthaus.ch
ISIL CH-000273-5

Der Verein Zürcher Kunstgesellschaft betreibt das Museum und ist Eigentümer der Kunstsammlung. Er ging im Sommer 1896 aus der Fusion der Zürcher Künstlergesellschaft und des Vereins Künstlerhaus hervor. Von der Stadt Zürich wird die Zürcher Kunstgesellschaft seit der Eröffnung des Chipperfield Erweiterungsbaus mit einem jährlichen Betriebsbeitrag von 13,3 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Die Betreiberin des Hauses hat 2025 fast 6 Millionen Franken Schulden. Der Präsident ist Philipp Hildebrand.

Die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde wurde 1917 gegründet, «mit dem Ziel, das Kunstleben in der Limmatstadt zu fördern», insbesondere mit dem «Ankauf von Werken, die dem Kunsthaus Zürich zur Ergänzung und zum Ausbau seiner […] Sammlung als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden.»

Die Stiftung Zürcher Kunsthaus, gegründet 1954, ist die Eigentümerin der Liegenschaften. Sie überlässt diese der Zürcher Kunstgesellschaft kostenlos. Von der Stadt Zürich erhält sie – Stand 2025 – einen jährlichen Beitrag von fast 5 Millionen Schweizer Franken.

Bereits vor und insbesondere mit dem Einzug der seit Jahrzehnten umstrittenen Privatsammlung des Rüstungsindustriellen Emil G. Bührle in den Erweiterungsbau im Oktober 2021 entbrannte eine heftige, weltweit geführte Debatte. In der Folge musste die Zürcher Kunstgesellschaft den Dauerleihvertrag von 2012 offenlegen und 2022 mit der Stiftung Emil G. Bührle einen neuen aushandeln. Im neuen Subventionsvertrag 2022 mit der Stadt Zürich ist das Einhalten der Washingtoner Prinzipien sowie der, ebenfalls von der Schweiz mitunterzeichneten Folgeerklärungen explizit geregelt. Laut diesem Vertrag stellt das Kunsthaus keine Werke aus, bei denen substantiierte Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Entzug bestehen. Der Historiker Raphael Gross, 2023 von der Stadt, dem Kanton und der Zürcher Kunstgesellschaft beauftragt, die stiftungsinterne Provenienzforschung der Sammlung Bührle zu überprüfen, hält im Juni 2024 fest, dass diese nicht ausreiche, um die von der Kunstgesellschaft Zürich und ihren Zuwendungsgebern im Subventionsvertrag festgelegten Massstäbe zu erfüllen. So stellte Gross unter anderem fest, dass bei 62 Werken mit jüdischem Vorbesitz im Zeitraum 1933 bis 1945 noch weitere Forschungsleistung zu erbringen sei. Ende September 2025 wurde die Bührle-Sammlung bereits zum zweiten Mal für einen grösseren Umbau geschlossen. Erst 2027 soll die komplette Sammlung wiedereröffnet werden. Im Oktober 2025 wurde öffentlich bekannt, dass die Bührle-Stiftung ihren Stiftungszweck angepasst und den entscheidenden Passus gestrichen hat. Die Sammlung soll nicht mehr zwingend in Zürich gezeigt werden. Im November 2025 war zu erfahren, dass die Stadt Zürich beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Statutenänderung der Bührle-Stiftung einreichte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Architektur

Zürcher Künstlergesellschaft ab 1787

1787 traf sich erstmals ein Kreis von Künstlern und Kunstliebhabern, um die Zürcher Künstlergesellschaft zu gründen. 1813 erwarb diese eine Liegenschaft an der Halseisengasse, der heutigen Künstlergasse. Sie lag ausserhalb der Stadtmauern «auf dem Berg». Die Kaufmännische Direktion musste für den Erwerb 9000 Gulden vorschiessen. Das Wohnhaus eignete sich schlecht für Ausstellungen. 1845 wurde beschlossen, auf dem Grundstück einen Neubau zu realisieren. Das vom Architekten Gustav Albert Wegmann entworfene «Künstlergütli» wurde 1847 als erstes Kunsthaus eingeweiht. Es diente als Ausstellungs- und Sammlungsgebäude. Das alte Wohnhaus erfuhr eine Umnutzung als «Wirtschaft zum Künstlergütli». An diesem Ort steht heute das von Karl Moser vom Architekturbüro Curjel & Moser entworfene und gebaute Hauptgebäude der Universität Zürich. Die Stadt Zürich war Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren rund 17'000 Einwohnenden noch kleinstädtisch. Zur Künstlergesellschaft zählten knapp zwei Dutzend Mitglieder.

Das «Künstlergütli», erstes «Kunsthaus» von Zürich 1847

  • Das «Künstlergütli» mit dem ehemaligen Wohnhaus als «Wirtschaft zum Künstlergütli», Lithographie aus Malerische Winkel von Fritz Boscovits, Zürich 1905
    Das «Künstlergütli» mit dem ehemaligen Wohnhaus als «Wirtschaft zum Künstlergütli», Lithographie aus Malerische Winkel von Fritz Boscovits, Zürich 1905
  • Das «Künstlergütli» des Architekten Gustav Albert Wegmann
    Das «Künstlergütli» des Architekten Gustav Albert Wegmann
  • Blick vom «Künstlergütli» auf die Stadt Zürich 1885
    Blick vom «Künstlergütli» auf die Stadt Zürich 1885

Provisorische Ausstellungsorte, Fusion Künstlergesellschaft und Verein Künstlerhaus 1896–1909

Das neu gebaute «Künstlergütli» war, wie sich herausstellen sollte, weder für die Sammlung noch für Ausstellungen wirklich geeignet. So fanden diese in der alten Tonhalle auf dem heutigen Sechseläutenplatz statt und nach deren Abbruch in der alten Börse. Alle Anstrengungen um einen anderen Neubau scheiterten. 1895 liess ein neu gegründeter Verein für bildende Künste Künstlerhaus an der Ecke Tal- und Börsenstrasse einen Billigbau erstellen. Das Grundstück hatte ihm der Besitzer des Hotels Baur au Lac zur Verfügung gestellt. Hier fanden regelmässig Wechselausstellungen statt. 1888 hatte der Verein für bildende Künste Künstlerhaus bereits 134 Mitglieder, weit mehr als die altehrwürdige Zürcher Künstlergesellschaft. Aus der Fusion ebendieser und des jungen Vereins Künstlerhaus ging im Sommer 1896 die Zürcher Kunstgesellschaft hervor.

  • Tonhalle auf dem Platz beim Bellevue, dem heutigen Sechseläutenplatz, 1895
    Tonhalle auf dem Platz beim Bellevue, dem heutigen Sechseläutenplatz, 1895
  • Alte Börse Zürich, um 1890
    Alte Börse Zürich, um 1890
  • Ausstellungsplakat zur Jubiläumsausstellung im Künstlerhaus, 1898
    Ausstellungsplakat zur Jubiläumsausstellung im Künstlerhaus, 1898

Kunsthaus von Karl Moser am Heimplatz ab 1910

Karl Moser, 1915, Fotograf unbekannt, ETH-Bibliothek, Zürich

Mit dem Künstlerhaus beim Hotel «Baur au Lac» für wechselnde Ausstellungen und dem «Künstlergütli», das fortan als Bibliothek und Sammlungsgebäude genutzt wurde, war die immer drängendere Platzfrage, welche die Kunstgesellschaft beschäftigte, nicht gelöst. Ein möglicher Landabtausch des «Künstlergütli» gegen ein Grundstück an der Stadthausanlage scheiterte, obwohl sich Stadt und Kunstgesellschaft einig gewesen waren, an der Volksabstimmung. So wurde wieder über das landoltsche «Lindenthalgut» verhandelt, den heutigen Standort des Kunsthauses. 1886 hatte die Stadt Zürich das Land nicht für ein Museum hergeben wollen, das ihr der Stadtrat Johann Heinrich Landolt in seinem Testament billig verkauft hatte. Die Witwe des Erblassers, Anna Landolt-Hottinger, mit lebenslangem Wohnrecht in der Villa Landolt am Hirschengraben war Jahre später einverstanden, dass man den Garten gegen den Heimplatz überbaue. Nach rund einem Jahrhundert Suchen war der Platz für das Zürcher Kunsthaus gefunden.

Erst im zweiten Projektwettbewerb fand die Jury drei ausführungswürdige Entwürfe eines möglichen Neubaus. Der Vorstand entschied sich für das Projekt von Karl Moser. Zwei Jahre später, am 15. Juli 1906, fand die Volksabstimmung statt. Am 17. April 1910 wurde das Kunsthaus feierlich eingeweiht. Das «Künstlergütli» musste dem Neubau der Universität weichen. Die Stadt Zürich hatte damals 191'000 Einwohner und die Kunstgesellschaft 1064 Mitglieder.

  • Fritz Boscovits: Album Bildende Künste – Sechseläuten Festzug zur Eröffnung des Kunsthauses, 1910
    Fritz Boscovits: Album Bildende Künste – Sechseläuten Festzug zur Eröffnung des Kunsthauses, 1910
  • Henry-Claude Forestier: X. Nationale Kunstausstellung der Schweiz, Kunsthaus Zürich, 1910
    Henry-Claude Forestier: X. Nationale Kunstausstellung der Schweiz, Kunsthaus Zürich, 1910
  • Plakat zur Ausstellung von Ferdinand Hodler im Kunsthaus Zürich, 1917
    Plakat zur Ausstellung von Ferdinand Hodler im Kunsthaus Zürich, 1917

Kunst am Bau

Im Jahr 1909 gewann der Bildhauer Carl Burckhardt den ersten Preis um die Gestaltung der Nischenfiguren und insgesamt zehn Fassadenreliefs. Nur die Hälfte wurde realisiert. Auf der Frontseite des Moserbaus, also beim Haupteingang, sind drei der fünf Amazonen-Reliefs zu sehen. Zwei weitere befinden sich auf der Westseite des Eingangsportals. Zudem wurden Bronzereliefs als Abgüsse nach den Originalmodellen hergestellt, die eine Fassade des Kunstmuseums Basel schmücken. Das Relief direkt oberhalb des Portals im Giebelfeld ist ein Werk von Oskar Kiefer und zeigt die Göttin Athene und Bellerophon auf Pegasos. Das Löwenrelief realisierte Eduard Bick.

Zwischen den Dreiviertelsäulen im Obergeschoss des Moserbaus 2 (Ausstellungstrakt) stehen männliche und weibliche Aktfiguren von Arthur Tigram Abeljanz, Paul Osswald, Arnold Hünerwadel, Carl Burckhardt und Hermann Haller.

Reliefs am Moserbau
  • Drei Amazonen-Reliefs von Carl Burckhardt, Löwenrelief von Eduard Bick, Relief oberhalb des Portals von Oskar Kiefer, rechts neben Haupteingang Moserbau Das Höllentor von Auguste Rodin
    Drei Amazonen-Reliefs von Carl Burckhardt, Löwenrelief von Eduard Bick, Relief oberhalb des Portals von Oskar Kiefer, rechts neben Haupteingang Moserbau Das Höllentor von Auguste Rodin
  • Athenerelief von Oskar Kiefer, 1910
    Athenerelief von Oskar Kiefer, 1910
  • Aktfiguren am Moserbau 2, Seiteneingang Heimplatz 1
    Aktfiguren am Moserbau 2, Seiteneingang Heimplatz 1

Erster Direktor, Erweiterungsbau Moserbau 3 1925

Kunsthaus Zürich, Moserbau, ca. 1930, links Moserbau 2, rechts Moserbau 1, hinten Moserbau 3

1909 übernahm der Kunsthistoriker Wilhelm Wartmann das Sekretariat der Zürcher Kunstgesellschaft. Er sollte die Geschicke des Kunsthauses ab 1910 als Konservator und ab 1927 als dessen Direktor während mehr als 40 Jahren leiten. Seiner Freundschaft mit Edvard Munch seit den frühen 1920er Jahren ist es zu verdanken, dass das Kunsthaus Zürich zahlreiche Werke des norwegischen Malers besitzt.

Die erste Erweiterung am Kunsthaus war ein Anbau nach hinten in die Tiefe des Grundstücks. Insgesamt sechs Entwürfe für eine mögliche Erweiterung hatte Karl Moser nach dem Ersten Weltkrieg gezeichnet. 1919 schenkte die Stadt Zürich der Zürcher Kunstgesellschaft die Villa Landolt. Moser stellte schliesslich einen Würfel in die Lücke zwischen Kunsthaus und Villa Landolt und verband die Gebäude mit einem schmalen tortenstückförmigen Zwischenbau.

Werke von Edvard Munch im Besitz des Kunsthauses
  • Winternacht, um 1900
    Winternacht, um 1900
  • Bildnis von Ellen Warburg, 1905, Geschenk von Alfred Rütschi, Mitgründer der Vereinigung der Zürcher Kunstfreunde, 1922
    Bildnis von Ellen Warburg, 1905, Geschenk von Alfred Rütschi, Mitgründer der Vereinigung der Zürcher Kunstfreunde, 1922
  • Bildnis von Wilhelm Wartmann, 1923, das Gemälde entstand im Auftrag von Alfred Rütschi im Grand Hotel Dolder im Anschluss an Wartmanns erste grosse Munch-Ausstellung 1922.
    Bildnis von Wilhelm Wartmann, 1923, das Gemälde entstand im Auftrag von Alfred Rütschi im Grand Hotel Dolder im Anschluss an Wartmanns erste grosse Munch-Ausstellung 1922.
Werke des schweizerisch-französischen Malers Félix Vallotton im Kunsthaus
  • Le Bain au soir d’été, deutsch: Das Bad am Sommerabend, 1892–1893, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS1060
    Le Bain au soir d’été, deutsch: Das Bad am Sommerabend, 1892–1893, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS1060
  • La Visite, deutsch: Der Besuch, 1899, Kauf aus der Ausstellung im Künstlerhaus 1909
    La Visite, deutsch: Der Besuch, 1899, Kauf aus der Ausstellung im Künstlerhaus 1909
  • Intérieur fauteuil rouge et figures, deutsch: Innen, Inneneinrichtung oder auch Zuhause, roter Sessel und Gesichter oder Figuren, 1899, Geschenk von Ottilie W. Roederstein, 1920
    Intérieur fauteuil rouge et figures, deutsch: Innen, Inneneinrichtung oder auch Zuhause, roter Sessel und Gesichter oder Figuren, 1899, Geschenk von Ottilie W. Roederstein, 1920

Ausstellungen unter der Ägide von Wartmann (Auswahl)

  • 1917: Ferdinand Hodler
  • 1922: Edvard Munch
  • 1928 und 1938: Félix Vallotton
  • 1930: James Ensor. Radierungen. Grafische Sammlung im Zürcher Kunsthaus, Juli – August 1930
  • 1932: Pablo Picasso
  • 1933: Fernand Léger und Juan Gris
  • 1941: Privatsammlung Oskar Reinhart

Publikation

  • Honoré Daumier, 240 Lithographien im Originalformat. Herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Wartmann. Manesse Verlag, Conzett & Huber

Emil G. Bührle, Mäzen des Kunsthauses Zürich

Emil G. Bührle, Foto (Bildausschnitt): Björn Lindroos, Zürich, 26. November 1954, Comet Photo, ETH-Bibliothek

Zwischen 1927 und 1935 zeichnete Karl Moser, der seit 1915 als ordentlicher Professor an der ETH Zürich unterrichtete, abermals sechs Entwürfe für eine Erweiterung des Kunsthauses, die indes allesamt nicht realisiert werden konnten. Nach dem Tod von Moser im Jahr 1936 verfasste Wilhelm Wartmann ein Bauprogramm für einen Ideenwettbewerb. Der Rüstungsindustrielle Emil G. Bührle war zwischen Juni 1940 und seinem Tod im November 1956 ein engagiertes Mitglied der Zürcher Kunstgesellschaft. Am 15. Juli 1941 wurde die zweite Erweiterung durch Bührle vorangetrieben. Im Anschluss an die Sichtung der Planungsunterlagen überwies er dem Baufonds zwei Millionen Franken.

Das Schauspielhaus Zürich wies zeitgleich eine Spende von Bührle, ebenfalls zwei Millionen Franken, zurück. Das unter der Obhut von Ferdinand Rieser, Oskar Wälterlin und seinem Chefdramaturgen Kurt Hirschfeld sowie Emil Oprecht eindeutig antifaschistisch eingestellte Schauspielhaus wollte kein «Blutgeld» annehmen, wie das von Bührle erwirtschaftete Vermögen bezeichnet wurde.

Am 11. Mai 1944 gingen die Gebrüder Pfister als Sieger des Wettbewerbs für den Erweiterungsbau hervor. 1946 zahlte Bührle zwei weitere Millionen in den Fonds. Er war damals zum reichsten Schweizer geworden. Umgerechnet auf heute betrugen die Waffenausfuhren vor allem nach Deutschland den Wert von etwa zwei Milliarden Franken.

«Das Höllentor» von Auguste Rodin

Auguste Rodin, fotografiert von Gertrude Käsebier, circa 1905

Laut der Berichterstattung der WoZ überliess Bührle dem Kunsthaus Zürich Das Höllentor von Auguste Rodin 1947. Seit 1949 steht es neben dem Haupteingang des Moserbaus. Am riesigen Portal von mehr als sechs Meter Höhe und vier Meter Breite wird eine monumentale Skulpturengruppe dargestellt. Figuren, um einen zentralen Denker gruppiert, ringen um den Tod. Das Höllentor gilt als das bedeutendste Werk von Auguste Rodin. Den vierten Bronzeabguss hatte 1942 Adolf Hitlers Kunstsachverständiger Hermann Göring für das geplante «Führermuseum» in Linz bestellt. Bevor die Skulptur im Museum der Nationalsozialisten ausgestellt werden konnte, war der Krieg für sie verloren. Der Abguss wurde von NS-Deutschland nie in Paris abgeholt. Die Alliierten überliessen Das Höllentor Emil G. Bührle, der mit seinen Waffenexporten nach NS-Deutschland sein Vermögen aufgebaut hatte. Entsprechend der Darstellung des Mediensprechers des Kunsthauses Zürich habe dieses Das Höllentor direkt bei der Giesserei Eugène Rudier in Paris bestellt. Im Artikel der Lokalinfo AG wird jedoch erwähnt, dass der ehemalige Direktor Wilhelm Wartmann Das Höllentor als neues Eingangsportal für den Erweiterungsbau von 1958 im Sinn gehabt habe und dass das Kunstwerk via Baufonds von Emil G. Bührle finanziert gewesen sei. Die dunkle Vergangenheit der Skulptur wird auf der Website des Kunsthauses (Stand März 2023) nicht kommuniziert. Ebenso finden sich zur Entstehung des Kunstwerkes – die Bildhauerin Camille Claudel hatte mehrere Gestalten, Hände, Beine und Körper für Das Höllentor modelliert – von Seiten des Kunsthauses Zürich (Stand März 2023) keine Schilderungen.

Fotogalerie «Das Höllentor» von Auguste Rodin
  • Auguste Rodin: La Porte de l’Enfer, deutsch: «Das Höllentor», 1880–1917, Geschenk von Emil G. Bührle, 1947
    Auguste Rodin: La Porte de l’Enfer, deutsch: «Das Höllentor», 1880–1917, Geschenk von Emil G. Bührle, 1947
  • Detail: Les Trois Ombres, deutsch: «Die drei Schatten» für den oberen Torrahmen
    Detail: Les Trois Ombres, deutsch: «Die drei Schatten» für den oberen Torrahmen
  • Detail: Faunesse à Genoux, deutsch: Kniende Fauna
    Detail: Faunesse à Genoux, deutsch: Kniende Fauna

Pfisterbau mit Bührlesaal 1958

1958 wurde der von den Gebrüdern Pfister geplante und von Emil Georg Bührle mit sechs Millionen Schweizer Franken finanzierte, 1200 Quadratmeter grosse Ausstellungsflügel eröffnet.

  • Neubau, ein sogenannter Pilotis mit sichtbarer Pfeilerkonstruktion: Bührlesaal auf Stützen und Restaurant im Erdgeschoss, eröffnet am 7. Juni 1958
    Neubau, ein sogenannter Pilotis mit sichtbarer Pfeilerkonstruktion: Bührlesaal auf Stützen und Restaurant im Erdgeschoss, eröffnet am 7. Juni 1958
  • Moserbau 1 bis 3, Pfisterbau mit Bührlesaal und Restaurant, im Zentrum Heimplatz mit Tramwartehäuschen und Denkmal für Ignaz Heim, rechts alte, denkmalgeschützte Turnhallen, links unten Pfauenkomplex, 1963
    Moserbau 1 bis 3, Pfisterbau mit Bührlesaal und Restaurant, im Zentrum Heimplatz mit Tramwartehäuschen und Denkmal für Ignaz Heim, rechts alte, denkmalgeschützte Turnhallen, links unten Pfauenkomplex, 1963
  • Aus der Luftperspektive, Foto: Werner Friedli, 1964
    Aus der Luftperspektive, Foto: Werner Friedli, 1964

Müllerbau 1976

Der Müllerbau von Erwin Müller wurde durch eine Schenkung von Olga Meyenfisch 1969 über sieben Millionen Schweizer Franken finanziert. Der zurückgesetzte Bau füllt das Dreieck zwischen Hirschengraben und Moserbau 3.

Gastrecht der Stiftung für die Photographie

Anfang der 1970er Jahre gelang es dem ersten Präsidenten der Stiftung für die Photographie, Manuel Gasser, und der Mitbegründerin, Rosellina Burri-Bischof, beim amtierenden Direktor, René Wehrli, und dem damaligen Präsidenten der Zürcher Kunstgesellschaft, Carlo von Castelberg, im Kunsthaus Zürich Gastrecht zu erlangen. Der privatrechtlich gegründeten Stiftung wurden nach Abschluss des Müller-Erweiterungsbaus 1976 Räume zur Verfügung gestellt. Burri-Bischof realisierte als Leiterin der Stiftung in der Photo-Galerie des Kunsthauses bis 1981 drei Dutzend Präsentationen mit Werken weltberühmter Schweizer Fotografen wie Robert Frank und Paul Senn sowie international bekannten Altmeistern der Fotografie wie Eugène Atget, Heinrich Kühn, Paul Strand und Edward Steichen sowie weiteren weltweit bekannten Fotografen wie Henri Cartier-Bresson und Elliott Erwitt.

Von 2001 bis 2005 wurde das Kunsthaus komplett saniert.

Seit dem Jahr 2020 steht auf dem Vorplatz des Kunsthauses vor dem Durchgang des Moserbaus zum Vortragssaal die Skulptur Januskopf von Kader Attia. Auf dem Heimplatz ist ebenfalls seit 2020 die Videoinstallation Tastende Lichter von Pipilotti Rist installiert.

  • Januskopf von Kader Attia, Geschenk von Christen Sveaas, Vorplatz des Kunsthauses
    Januskopf von Kader Attia, Geschenk von Christen Sveaas, Vorplatz des Kunsthauses
  • Videoinstallation Tastende Lichter von Pipilotti Rist, Heimplatz, seit 2020
    Videoinstallation Tastende Lichter von Pipilotti Rist, Heimplatz, seit 2020
  • Werner-und-Gabrielle-Merzbacher-Sammlung im ersten Obergeschoss des Erweiterungsbaus, Heimplatz 5, 2022
    Werner-und-Gabrielle-Merzbacher-Sammlung im ersten Obergeschoss des Erweiterungsbaus, Heimplatz 5, 2022

Chipperfield Erweiterungsbau 2021

Ein Erweiterungsbau, mit dem sich die Ausstellungsfläche des Kunsthauses fast verdoppelt, nahm am 9. Oktober 2021 den Betrieb auf. Seitdem ist das Kunsthaus Zürich das grösste Kunstmuseum der Schweiz. Architekten waren David Chipperfield Architects, federführend für die Projektrealisation der damalige Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, Walter Kielholz. Der Zürcher Gemeinderat, das Parlament der Stadt, hatte am 4. Juli 2012 den zur Hälfte aus Steuergeldern zu finanzierenden Erweiterungsbau gebilligt, in der Volksabstimmung am 25. November desselben Jahres wurde dem Projekt zugestimmt. Für den insgesamt 206 Mio. Franken teuren Erweiterungsbau des Kunsthauses zahlte die Stadt Zürich 88 Mio., 30 Mio. fielen auf den Kanton, und 88 Mio. kamen über Spender herein.

In der offiziellen Abstimmungszeitung der Stadt Zürich «Zürich stimmt ab. 25.11.2012» war den Stimmberechtigten die Vorlage zum Investitionsbeitrag von 88 Mio. Schweizer Franken für den Erweiterungsbau empfohlen und insbesondere in Aussicht gestellt worden, der Bau eröffne die einmalige Chance, die «weltbekannte Privatsammlung von Emil Georg Bührle» dauerhaft zeigen zu können, die bedeutendste in Europa nach Paris, laut Angaben der Stadt. Nicht informiert wurde die Wählerschaft von offizieller Seite bezüglich der Tatsache, dass keine unabhängige Provenienzforschung vorlag und das Vorhandensein von NS-Raubkunst nach der Definition der Erklärung von Terezin, 2009, in der Kunstsammlung nicht eindeutig ausgeschlossen werden konnte.

Auch die «Werner-und-Gabrielle-Merzbacher-Sammlung» mit 65 Werken und solche der Sammlung von Hubert Looser werden im Erweiterungsbau gezeigt.

  • Neuer Erweiterungsbau gegenüber dem Hauptgebäude
    Neuer Erweiterungsbau gegenüber dem Hauptgebäude
  • Innenansicht des Chipperfield Erweiterungsbaus
    Innenansicht des Chipperfield Erweiterungsbaus
  • Walter-Haefner-Foyer, Eingangsbereich
    Walter-Haefner-Foyer, Eingangsbereich

Skandale um die Kunstsammlung der Stiftung Emil G. Bührle

Erster Skandal 2021

Im Herbst 2021 wollte das Kunsthaus Zürich unter der Direktion von Christoph Becker den neuen Erweiterungsbau insbesondere mit den Meisterwerken des Impressionismus der Stiftung Emil G. Bührle als Krönung feiern. Die Sammlung mit dem aktuellen Marktwert von drei Milliarden Schweizer Franken – Stand 2023 – gilt weltweit als eine der besten. Das Vorhaben mündete in einem Skandal um Nazi-Fluchtgut. Die Rede war von Verharmlosungen und Geschichtsklitterung. Dem Kunsthaus und der Stadt Zürich wurde vorgeworfen, die Sammlung werde zu unkritisch präsentiert, zahlreiche Fragen im Zusammenhang mit der Sammlung, vornehmlich deren Provenienzforschung, seien ungeklärt. Diese war von der Stiftung selber, ihrem damaligen Direktor Lukas Gloor, also nicht öffentlich und unabhängig gemacht worden. Die Forschung sei zudem einseitig aus der Käuferperspektive getätigt worden, hiess es. Es fehle weitgehend an Transparenz. Die Geschichte von Emil G. Bührle, die in einem separaten Dokumentationsraum nacherzählt wurde, sei beschönigend und verharmlosend. Ausgelöst durch die Veröffentlichung des Sachbuchs Das kontaminierte Museum. Das Kunsthaus Zürich und die Sammlung Bührle des Historikers Erich Keller und die Stellungnahme ehemaliger Mitglieder und Mitarbeitender der Unabhängigen Expertenkommission: Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK) zur Sammlung Bührle im Kunsthaus Zürich, entbrannte in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit eine hitzige Debatte. Der Waffenfabrikant Emil G. Bührle, ehemaliger Deutscher mit Schweizer Pass, war mit den Waffengeschäften, die er vornehmlich mit den Nazis hatte tätigen können, zum reichsten Mann der Schweiz geworden. Mit diesem «Blutgeld» hatte er die Werke von Impressionisten gekauft.

Bezüglich der Provenienzforschung der Sammlung Emil G. Bührle fehlte eine lückenlose, faire und vor allem unabhängige Untersuchung nach internationalem «State of the Art». Die nationale und internationale Medienberichterstattung und der damit einhergehende Reputationsschaden, der nicht enden wollende öffentliche Druck, auch von Seiten der Politik, führten dazu, dass der Vertrag zwischen dem Kunsthaus Zürich und der Stiftung offengelegt und ein neuer Vertrag ausgehandelt werden musste sowie weitere Massnahmen eingeleitet wurden.

Anfang 2023 erfuhr die Öffentlichkeit, dass der Schweizer Historiker Raphael Gross von der Stadt, dem Kanton Zürich und der Zürcher Kunstgesellschaft damit beauftragt werde, die Sammlung der Stiftung Emil G. Bührle nun von unabhängiger Seite zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden am 28. Juli 2024 veröffentlicht (siehe unter «Expertenbericht zur Provenienzforschung Sammlung Bührle»).

Erste Präsentation der Sammlung Bührle, kuratiert von Lukas Gloor
  • La petite Irène von Pierre-Auguste Renoir, 1880
    La petite Irène von Pierre-Auguste Renoir, 1880
  • Grauer Sitzblock, v. l.:Tänzerinnen, 1889 und Avant le départ, 1878/80 von Edgar Degas, Gewitter über Dordrecht, 1645 von Aelbert Cuyp
    Grauer Sitzblock, v. l.:Tänzerinnen, 1889 und Avant le départ, 1878/80 von Edgar Degas, Gewitter über Dordrecht, 1645 von Aelbert Cuyp
  • Vorne rechts: Le Grand Duc, deutsch: Der Uhu von Édouard Manet, 1881, angeschnitten: Le Jardinier Vallier von Paul Cézanne, 1906, hinten: Nu couché von Amedeo Modigliani, 1916
    Vorne rechts: Le Grand Duc, deutsch: Der Uhu von Édouard Manet, 1881, angeschnitten: Le Jardinier Vallier von Paul Cézanne, 1906, hinten: Nu couché von Amedeo Modigliani, 1916

Zweiter Skandal 2023

An einer neuen Präsentation der Sammlung von Emil G. Bührle wurde unter der Direktorin Ann Demeester mit Philippe Büttner als Kurator während eines Jahres gearbeitet. Aber noch vor der Eröffnung vom 3. November 2023 kam es zum Eklat. Der wissenschaftliche Beirat, der die Ausstellung hätte begleiten sollen, erhob zahlreiche Vorwürfe und trat am 13. Oktober 2023 geschlossen zurück. Doch ebendieser Beirat hätte garantieren sollen, dass nach den unzähligen Konflikten um die Sammlung von Emil G. Bührle unabhängig und unparteiisch an Lösungen gearbeitet worden wäre.

Zum siebenköpfigen Beirat, der demissionierte, gehörten Nicola Doll, Leiterin der Provenienzforschung am Kunstmuseum Bern, Muriel Gerstner als Vorstandsmitglied des Vereins Omamut – Forum für jüdische Kunst und Kultur, die Leiterin des Labors für experimentelle Museologie an der Universität Lausanne, Sarah Kenderdine, Matthieu Leimgruber, Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich, Stefanie Mahrer, Professorin für neuere europäische, schweizerische und jüdische Geschichte in Basel und Bern, der Schriftsteller Thomas Meyer und Angeli Sachs, ehemals Leiterin Curatorial Studies an der Zürcher Hochschule der Künste. Es ging vor allem um zwei Vorwürfe, einerseits betreffend die Texte, die dem Beirat offenbar viel zu kurzfristig zum Gegenlesen überlassen worden seien, was ein sorgfältiges Redigieren erschwerte, und andererseits noch gewichtiger betreffend die Ausrichtung der Ausstellung insgesamt. In der Rücktrittserklärung heisst es:

«Trotz anderslautender Aussagen in den einleitenden Texten und Stellungnahmen haben die Ausstellungsmacher:innen den einstigen Eigentümer:innen der präsentierten Kunstwerke zu wenig Sichtbarkeit zugestanden. Entgegen unserer wiederholten Empfehlung, dem Schicksal der im Nationalsozialismus verfolgten, enteigneten und ermordeten Sammler:innen den nötigen Raum zu geben, ist nur ein kleiner Teil der Ausstellung ihrer Darstellung und Anerkennung gewidmet. Da Emil Bührle beim Aufbau seiner Sammlung von diesem historischen Kontext profitiert hat, ist es besonders kritisch, dass ein weiteres Mal der Eindruck entsteht, dass die Opfer des nationalsozialistischen Regimes marginalisiert werden.»

– Beirat zur Neupräsentation der Sammlung Bührle im Kunsthaus Zürich 2023, Basel, Berlin, Bern, Lausanne und Zürich, den 13. Oktober 2023

Christoph Heim schreibt dazu im Tages-Anzeiger, die kritisch-wohlwollende Schau würdige den Mäzen Emil Bührle stärker als die jüdischen Sammler, die ihm ihre Bilder unter Stress verkauften. In seinem Kommentar für den Bund moniert er, bei der Huldigung des Waffenproduzenten Emil G. Bührle könne sich das Kunsthaus nicht zu einer echten Würdigung der jüdischen Sammler durchringen. Philipp Meier schrieb im Feuilleton der NZZ: «Das war eine Ohrfeige für das Kunsthaus Zürich.» Nach seiner Einschätzung leuchtet die Kritik des Beirats nicht ein.

La Sultane von Édouard Manet, 1871, Sammlung Emil G. Bührle

«Fachleute vermuten in der Sammlung Bilder, die ihren früheren jüdischen Besitzerinnen und Besitzern zurückgegeben werden sollten», heisst es in der Tagesschau der ARD. Die mühsame Aufarbeitung der Bührle-Sammlung enthülle ein grösseres Problem. Die Schweiz tue sich bis heute schwer mit ihrer eigenen Vergangenheit während der NS-Zeit.

So nahm denn das Werk La Sultane von Édouard Manet, das laut Erich Keller «[…] seit 2004 in der Datenbank für Raubkunst des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste geführt wurde», in der zweiten Ausstellungspräsentation einen prominenten Platz ein. Das Sultane-Gemälde gehörte dem jüdischen Unternehmer Max Silberberg, der es 1937 mutmasslich wegen des Verfolgungsdrucks durch die Nationalsozialisten verkaufen musste. Er kam 1942 im Ghetto Theresienstadt oder im Konzentrationslager Auschwitz zu Tode. Laut einer Mitteilung der Stiftung Bührle vom April 2025 wird La Sultane nicht restituiert. Das Werk, mit dem geschätzten Marktwert von einem zweistelligen Millionenbetrag, könne weiterhin im Kunsthaus Zürich gezeigt werden. Über Details der Vergleichslösung und die Zahlung des Betrags an die Alleinerbin, die Schwiegertochter Gerda Silberberg, wurde Stillschweigen vereinbart. Dieser Umstand wird von mehreren Medien als skandalös eingestuft. Das Kunsthaus ist hochverschuldet, schreibt auch 2024 ein Defizit von mehr als 1,5 Millionen Schweizer Franken, und die Stiftung Bührle darf ihre private Sammlung als Nutzniesserin des Museums weiterhin ebenda ausstellen.

Anlässlich der Gedenkveranstaltung im Jahr 2023 in der Zürcher Synagoge zum Novemberpogrom von 1938 räumte die Stadtpräsidentin Corine Mauch in ihrer Rede zum ersten Mal ein, Fehler begangen zu haben. Unter ihrer Federführung war ein Steuerungsausschuss eingerichtet worden, um die wissenschaftliche Erforschung der Bührle-Sammlung zu zensieren. Im Zusammenhang mit dem Waffenfabrikanten hätten die Begriffe «Antisemitismus, Freikorps und Zwangsarbeit» im Untersuchungsbericht der Universität Zürich getilgt werden sollen.

NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in der Sammlung Bührle

  • Kurz vor der erwarteten Veröffentlichung des Untersuchungsergebnisses von Raphael Gross teilte die Stiftung Sammlung Emil G. Bührle am 14. Juni 2024 mit, dass sie fünf Bilder abhängen wolle. Beim Werk La Sultane von Édouard Manet sei die Stiftung bereit, eine symbolische Entschädigung zu leisten.
Paul Gauguin: La Route montante, deutsch Die Landstrasse, 1884
  • Ende Juni 2025 wurde bekannt, dass das Gemälde von Paul Gauguin La Route montante, deutsch Die Landstrasse, in der Sammlung Emil Bührle bleiben wird. Die Stiftung hatte sich mit den Nachkommen des früheren Besitzers Richard Semmel in einem Vergleich geeinigt.

Expertenbericht zur Provenienzforschung Sammlung Bührle

Am 28. Juni 2024 veröffentlichten die drei Auftraggeber Stadt Zürich, Präsidialdepartement, Kanton Zürich, Direktion der Justiz und des Innern und die Zürcher Kunstgesellschaft den Expertenbericht von Raphael Gross betreffend die Überprüfung der bestehenden Provenienzforschung zur Sammlung Bührle. Gross kritisiert darin die Provenienzforschung der Bührle-Sammlung. Sie sei nicht ausreichend. Es brauche seiner Ansicht nach weitere Massnahmen, die sich auf die Aufklärung des verfolgungsbedingten Entzuges der Werke aus der Sammlung Emil Bührle konzentrieren. «Insgesamt befinden sich […] 133 Werke in der Sammlung Bührle, die jüdische Vorbesitzer*innen hatten. 90 der Werke, die von der Stiftung in die stiftungseigene Kategorie B – und damit als angeblich unproblematisch – eingestuft wurden, müssen zusätzlich neu überprüft werden.»

Nachdem die Forschungsarbeit von Gross und seinem Team gezeigt hatte, dass die Fluchtkunst-Forschung der Bührle-Stiftung nicht genügt, äusserte sich die Stadtpräsidentin Corine Mauch im Juli 2024 dahingehend, dass es weitere Forschung geben soll. Noch unklar ist, wer diese bezahlen wird.

Provenienzforschung zur Sammlung von Emil Bührle

Laut der Medienmitteilungen des Kunsthauses Zürich von Ende Mai 2025 will dieses in einem Fünfjahresplan die erforderliche Provenienzforschung zu den Werken der Sammlung von Emil Bührle aufarbeiten. Die Zürcher Kunstgesellschaft möchte von der Stadt Zürich für die interne Provenienzforschung drei Millionen Franken erhalten; die Bührle-Stiftung leistet dafür keinen monetären Beitrag. Kritisiert wird insbesondere, dass sich das Kunsthaus nicht an die Empfehlung von Raphael Gross hält, unabhängige externe Experten mit der Forschungsarbeit zu beauftragen, sondern dass diese von den Provenienzverantwortlichen des Kunsthauses durchgeführt werden soll.

Im Juni 2025 äusserten ehemalige Mitarbeiter der Bergier-Kommission, unter ihnen der israelische Historiker und Holocaust-Überlebenden Saul Friedländer sowie Schweizer Geschichtswissenschaftler wie Georg Kreis, Jacques Picard und Jakob Tanner ihren Unmut über die geplante Vorgehensweise des Kunsthauses und der Bührle-Stiftung, dass die Provenienzforschung einmal mehr nicht unabhängig weitergeführt werden soll. Auch die Finanzierung der Aufarbeitung missbilligen sie. Es könne nicht sein, dass die öffentliche Hand, welche die Kosten für das Ausstellen und Aufbewahren der Sammlung trage, nun auch deren Erforschung allein finanzieren soll. Sie wünschen sich ein unabhängiges Gremium und dass sich auch die Bührle-Stiftung an den Kosten beteiligt.

Schliessung der Bührle-Sammlung und Zweckänderung der Stiftung

Wie bereits im Herbst 2023 wurde die Sammlung E. G. Bührle Ende September 2025 nun zum zweiten Mal für einen erneuten grösseren Umbau geschlossen. Sie soll erst wieder 2027 eröffnet werden. Im Oktober 2025 wurde öffentlich bekannt, dass die Stiftung ihren Stiftungszweck im Handelsregister angepasst und den entscheidenden Passus gestrichen hat. Die Sammlung soll als Ganzes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, aber nicht mehr zwingend in Zürich. Die Zweckänderung war von der Stiftungsaufsicht BVS bewilligt worden, ohne dass diese sich zur Begründung äusserte. Der Vertrag mit der Zürcher Kunstgesellschaft gilt bis Ende 2034. Danach könnte die Sammlung laut dem Redaktor der NZZ, Philipp Meier, aus dem Chipperfield Erweiterungsbau abgezogen werden. Laut Christoph Brunner von SRF Regionaljournal schreibt das Kunsthaus, es könne zu den langfristigen Folgen des neuen Stiftungszwecks nichts sagen. Stadtpräsidentin Corine Mauch habe sich auf Anfrage überrascht gezeigt, dass die Bührle-Stiftung die Stadt Zürich aus ihrem Stiftungszweck gestrichen hat. Der Kunsthistoriker Hubertus Butin beschreibt das Vorgehen der Stiftung Bührle in der Frankfurter Allgemeinen als maximale Drohkulisse und kaltschnäuziges Vorgehen. Er teilt die Meinung der Neuen Zürcher Zeitung nicht, dass viele Museen der Welt noch so froh wären, die Werke bei sich aufnehmen zu können. Der Makel der NS-Raubkunst werde weiterhin an der Sammlung Bührle haften, solange sich die Stiftung nicht der Verantwortung stelle, die unabhängige Untersuchung der Herkunft der Bilder umfassend zu unterstützen. Im jüdischen Wochenmagazin Tachles vertritt Gisela Blau die Ansicht, dass die Stiftung Sammlung Bührle nach wie vor eine verkehrte Opfer-Litanei erzähle und aggressiv zum Angriff übergegangen sei. Die Stadt Zürich, die drei Millionen Franken an eine weitere Provenienzforschung der Sammlung Bührle sprechen wolle, müsse dies vielleicht nicht mehr tun. Aufstrebende Golfstaaten, wie beispielsweise Dubai, würden sich gerne mit westeuropäischen Kunstwerken und Filialen renommierter Kunsthäuser schmücken.

Vorprüfung der Statutenänderung, Rechtsgutachten, Bericht BVS, Gründe und Verfahren, Beschwerde beim Verwaltungsgericht

Anfang November 2025 war zu erfahren, dass die BVS Zürich, BVG und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich, die Öffentlichkeit nun doch im Rahmen eines Berichts über die Gründe der Urkundenänderung und das entsprechende Verfahren informiert, was ihr das Öffentlichkeitsprinzip gebietet. Die laut BVS Zürich relevanten Dokumente sind auf deren Website als PDF bereitgestellt. Die Herkunft der Werke als «neuralgischer Punkt des Bührle-Skandals» und die ungenügende Provenienzforschung, wie dies der Historiker Jakob Tanner 2021 gegenüber der Süddeutschen Zeitung geäussert hatte, wird nicht thematisiert. Indes kann den Dokumenten entnommen werden, dass die Stiftung Sammlung E. G. Bührle bereits Ende November 2024, fünf Monate nach der Veröffentlichung des Berichts von Raphael Gross zur Provenienzforschung der Bührle-Stiftung, bei der BVS Zürich durch ihren Interessenvertreter, den Rechtsanwalt Werner Jahnel, ein Gesuch um Vorprüfung einer potentiellen Statutenanpassung eingereicht hatte. Laut der Auslegung des § 3 Zweck der Statuten durch Jahnel, soll sich die geografische Lokalisierung vom Wortlaut her auf die integrale Erhaltung der Sammlung beziehen und nicht auf die öffentliche Zugänglichmachung. Die Stadt Zürich beziehungsweise die Zürcher Stadtbevölkerung seien nicht Destinatäre der Sammlung. Dieser seiner Argumentation folgte der von der BVS Zürich am 3. März 2025 beauftragte Gutachter Dominique Jakob, Ordinarius für Privatrecht und Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht an der Universität Zürich: Nach Jakob stellt der neu formulierte, auf die geografisch nicht eingegrenzte Wirkung der Stiftung gerichtete Zweck eine minimal invasive Anpassung der Statuten dar und entspreche dem Stifterwillen. In der Folge teilte die BVS der Bührle-Stiftung im Mai 2025 mit, dass die beabsichtigte Änderung der Stiftungsurkunde genehmigungsfähig sei. Im Juli 2025 ging bei der BVS ein entsprechendes Gesuch ein. Besagtes Gesuch der Bührle-Stiftung ist auf der Website der BVS – Stand 7. November 2025 – jedoch nicht als PDF bereitgestellt und entsprechen nicht öffentlich einsehbar. Die Verfügung der BVS auf Genehmigung der Änderung § 3 Zweck mit der Streichung der Stadt Zürich erging am 18. August 2025. Im November 2025 wurde bekannt, dass die Stadt Zürich, um ihre Interessen und dejenigen der Zürcher Bevölkerung zu wahren, gegen die Verfügung der BVS Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich einreichen und deren Entscheid rechtlich überprüfen lassen will. Sie verstehe sich als Destinatärin der Stiftung und habe im Zusammenhang mit der Dauerleihgabe der Werke der Stiftung im Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich bedeutsame Investitionen getätigt.

Einschätzung zur impliziten Drohung eines Abzugs der Sammlung

Laut der Beurteilung des ehemaligen Vizedirektors des Kunsthauses Zürich, Guido Magnaguagno, im Schweizer Onlinemagazin Republik sei die implizite Drohung der Bührle-Stiftung, die Sammlung abzuziehen, nicht schlimm. In den Bührle-Räumen gäbe es dadurch Raum für Neues, die eigentlichen Schätze des Kunsthauses, die im Keller lagern.

Förderstiftung für internationale Ausstellungen von hoher Qualität

Im Mai 2025 wurde bekannt, dass Martin und Marianne Haefner dem Zürcher Kunsthaus 30 Millionen Franken spenden. Das Geld, wofür eine Förderstiftung gegründet werde, soll internationale Ausstellungen von hoher Qualität ermöglichen. Die Betriebskosten des Kulturbetriebs mit knapp 6 Millionen Franken Defizit – Stand 2025 – wir von dem Geldgeschenk nicht abgedeckt.

Organisation

Zürcher Kunstgesellschaft

Oberstes Organ des Kunsthauses Zürich ist die Zürcher Kunstgesellschaft. Der Trägerverein als Betreiber des Museums und Besitzer der Kunstsammlung wird von einem Vorstand mit 11 Mitgliedern geleitet, wovon sechs Personen Vertreter der öffentlichen Hand sind. Der Vorstand wählt den Direktor des Kunsthauses.

Die erste Frau, die das Amt der Präsidentin der Zürcher Kunstgesellschaft bekleiden konnte, war Anne Keller Dubach. Im Mai 2021 wurde sie von der Generalversammlung gewählt. Sie starb am 22. September 2021. Am 1. Juli 2022 übernahm Philipp Hildebrand das Präsidium.

Stiftung Zürcher Kunsthaus

Die 1954 gegründete Stiftung Zürcher Kunsthaus ist die Eigentümerin der Liegenschaften, welche sie der Zürcher Kunstgesellschaft kostenlos zur Nutzung überlässt. Sie kümmert sich auch um den Unterhalt der Gebäude und die Vermietung von Räumen für externe Nutzungen.

Direktoren

  • 1909–1949: Wilhelm Wartmann
  • 1950–1975: René Wehrli
  • 1976–2000: Felix Baumann
  • 2000–2022: Christoph Becker
  • Seit 1. Oktober 2022: Ann Demeester

Seit Oktober 2022 leitet Ann Demeester das Kunsthaus Zürich. Vizedirektor ist Alex Schneider. Zu den Kuratoren zählen Jonas Beyer, Philippe Büttner, Sandra Gianfreda und Cathérine Hug (Stand 2024).

Provenienzstrategie

Claude Monet: «L’homme à l’ombrelle» oder «Portrait de Victor Jacquemont au Parasol», (1865–1867)

Die Zürcher Kunstgesellschaft einigte sich im Juni 2024 mit den Rechtsnachfolgern von Carl und Margarete Sachs, das Kunstwerk von Claude Monet «L’homme à l’ombrelle» (1865–1867), das als verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut eingestuft wird, zu verkaufen. Ein Anteil des Verkaufserlöses will sie den Erben zufliessen lassen. Zum Anteil, der zugunsten der Zürcher Kunstgesellschaft in den Sammlungsfonds fliessen soll, gibt es von Seiten des Kunsthauses keine Auskunft.

Finanzen

Die Jahresrechnung 2023 schloss mit einem Verlust von 1,58 Millionen Franken. Dieser Fehlbetrag war rund 170'000 Franken grösser ist als noch 2022. Im Jahr 2021 betrug das Minus 482'000 Franken. Entsprechend ist das Vermögen des Vereins Zürcher Kunstgesellschaft weiter geschrumpft, der Minusbetrag belief sich auf 4,5 Millionen Franken. Wäre das Museum eine private Firma, müsste die Überschuldung dem Gericht gemeldet werden. Ein Fall von Konkurs. Das Geschäftsjahr 2024 schloss das Kunsthaus mit einem Defizit von rund 1,53 Millionen Franken ab. Insgesamt hat die Zürcher Kunstgesellschaft als Betreiberin des Hauses 2025 fast 6 Millionen Franken Schulden. Sie möchte, wie Ende Mai 2025 bekannt wurde, die jährlichen Subventionen um 4,5 Millionen Franken erhöht haben.

Das Rahmenbudget 2025 der Zürcher Kunstgesellschaft wurde vom Zürcher Stadtrat nicht genehmigt. Zuerst müsse die Kunstgesellschaft «eine konsolidierte Dreijahresplanung 2025–2027 zur Beseitigung des Defizits bis 2027» vorlegen.

Deposita der Gottfried Keller-Stiftung (Auswahl)

Schweizer Meisterwerke

Karl Stauffer-Bern:
Bildnis Lydia Welti-Escher, 1886,
Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS890

Die von der Mäzenin Lydia Welti-Escher 1890 gegründete Gottfried Keller-Stiftung, Besitzerin der wichtigsten Kunstsammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit mehr als 6500 Kunstwerken, hat dem Kunsthaus Zürich zahlreiche Meisterwerke von Schweizer Künstlern als Deposita in Obhut gegeben. Vertreten sind Karl Stauffer-Bern, Albert Welti, Ferdinand Hodler, Johann Heinrich Füssli, Rudolf Koller, Félix Vallotton, Giovanni Segantini, Arnold Böcklin und weitere Maler.

Deposita von Schweizer Kunstmalern
  • Hans Leu der Ältere: Der Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer, 1490, Inventarnummer GKS661
    Hans Leu der Ältere: Der Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer, 1490, Inventarnummer GKS661
  • Johann Heinrich Füssli: Die Sünde, vom Tode verfolgt, 1794–1796, Inventarnummer GKS662
    Johann Heinrich Füssli: Die Sünde, vom Tode verfolgt, 1794–1796, Inventarnummer GKS662
  • Barthélemy Menn: Mädchen mit Blumen, um 1845–1860, Inventarnummer GKS648
    Barthélemy Menn: Mädchen mit Blumen, um 1845–1860, Inventarnummer GKS648
  • Giovanni Segantini: Strickendes Mädchen, 1888
    Giovanni Segantini: Strickendes Mädchen, 1888
  • Ferdinand Hodler: Bildnis Hélène Weiglé, 1889, Inventarnummer GKS530
    Ferdinand Hodler: Bildnis Hélène Weiglé, 1889, Inventarnummer GKS530
  • Arnold Böcklin: Der Krieg, 1897, Inventarnummer GKS328
    Arnold Böcklin: Der Krieg, 1897, Inventarnummer GKS328

Lydia-Welti-Escher-Hof

Gedenktafel Lydia Welti-Escher
Gedenktafel der Gesellschaft zu Fraumünster, 2008

Aus Anlass des 150. Geburtstages von Lydia Welti-Escher im Jahr 2008, ehrte die Gesellschaft zu Fraumünster die herausragende Kunstmäzenin mit einer Gedenktafel. Noch im selben Jahr konnte ein kleines Geviert hinter dem Bührlesaal, das vom Vorplatz des Kunsthauses via Durchgang zum Eingang des Vortragssaals, von der Krautgartengasse oder der Heimstrasse erreichbar ist, auf Vorstoss der Gesellschaft zu Fraumünster offiziell «Lydia-Welti-Escher-Hof» getauft werden.

  • Würdigung von Lydia Welti-Escher
  • Lydia-Welti-Escher-Hof beim Kunsthaus Zürich
    Lydia-Welti-Escher-Hof beim Kunsthaus Zürich
  • Miracolo, 1959/60. Reiterskulptur von Marino Marini im Lydia-Welti-Escher-Hof
    Miracolo, 1959/60. Reiterskulptur von Marino Marini im Lydia-Welti-Escher-Hof
  • Strassentafel
    Strassentafel

Sammlung

Der Miró-Garten, Atrium zwischen Moserbau und Bührlesaal mit keramischem Wandbild von Joan Miró Oiseaux qui s’envolent, deutsch: «Vögel, die wegfliegen», Gallifa 1971/72, und Landi-Stühlen von Hans Coray (2022)
Moser-Bau: Treppenhaus im Jugendstil, mit dem Gemälde Blick in die Unendlichkeit von Ferdinand Hodler (2010)
Blick in die Unendlichkeit von Ferdinand Holder, 1916

Im Erdgeschoss des Moserbaus liegen der Miró-Garten, der Vortragssaal, der Shop, ein Kabinett für kleine wechselnde Ausstellungen und Räume mit Werken aus der Sammlung des Kunsthauses. Im ersten und zweiten Obergeschoss setzt sich eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Schweiz vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart fort.

Zu den internationalen Schwerpunkten gehören die bedeutendste und umfangreichste Werksammlung Alberto Giacomettis sowie die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens. Weiter finden sich Bilder von Pablo Picasso, Claude Monet, Giambattista Pittoni, Marc Chagall, Vincent van Gogh und der Expressionisten Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Lovis Corinth. Neben Pop Art (z. B. Andy Warhol oder Richard Hamilton) sind u. a. Arbeiten von Mark Rothko, Mario Merz, Cy Twombly, Joseph Beuys und Georg Baselitz vertreten.

Mittelalterliche Skulpturen und Tafelbilder (z. B. von Hans Leu dem Älteren) sowie Gemälde des niederländischen und italienischen Barock (z. B. Domenichino und Rembrandt van Rijn) gehören ebenso zur Sammlung wie Höhepunkte der Schweizer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts von Johann Heinrich Füssli, Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler oder Félix Vallotton und der Dada-Bewegung. Auch Zürcher Konkrete (z. B. Max Bill, Fritz Glarner, Verena Loewensberg) und zeitgenössische Schweizer Künstler wie Pipilotti Rist und Peter Fischli / David Weiss sowie Fotografie und Installationen sind vertreten.

Zum Ausstellungskonzept gehört seit 2006 auch die Vorstellung bedeutender Privatsammlungen, zunächst unter dem Titel Fest der Farbe die Sammlung Merzbacher, 2010 die Sammlung Emil Georg Bührle, 2012 The Nahmad Collection aus dem Besitz der Kunsthändlerfamilie Nahmad, 2013 die Sammlung Looser und 2015 unter dem Titel «Ein Goldenes Zeitalter» die Sammlung Knecht.

Es finden regelmässig Veranstaltungen statt, worin das Museum mit Workshops, Performances, Musik und Führungen einen Blick hinter die Kulissen anbietet.

Sonderausstellungen (Auswahl)

  • 2015: Europa – Die Zukunft der Geschichte, kuratiert von Cathérine Hug und Robert Menasse
  • 2016: Francis Picabia: Eine Retrospektive, danach im Museum of Modern Art, New York City, USA.
  • 2017: Kirchner – Die Berliner Jahre.
  • 2018: Robert Delaunay und Paris. (→ Eiffelturm (Bilderserie von Delaunay))
  • 2018/19: Oskar Kokoschka. Eine Retrospektive, in Kooperation mit dem Leopold Museum, Wien, kuratiert von Cathérine Hug.
  • 2020: Olafur Eliasson, kuratiert von Mirjam Varadinis
  • 2020/2021: Ottilie W. Roederstein
  • 2021/2022: Barockes Feuer, kuratiert von Jonas Beyer und Timothy J. Standring.
  • 2022: Yoko Ono. This room moves at the same speed as the clouds, kuratiert von Mirjam Varadinis
  • 2022/2023: Niki de Saint Phalle, in Kooperation mit der Kunsthalle Schirn, Frankfurt am Main, kuratiert von Christoph Becker
  • 2022/2023: Aristide Maillol
  • 2023: Giacometti - Dalí
  • 2024: Apropos Hodler
  • 2024–2025: Marina Abramović. Retrospektive, in Kooperation mit der Royal Academy of Arts in London, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und dem Kunstforum Wien, entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin, 25. Oktober 2024 bis 16. Februar 2025
  • 2026: Kerry James Marshall

Werke aus der Sammlung (Auswahl)

  • Fra Angelico:St. Cosmas und Damian, um 1445
    Fra Angelico:
    St. Cosmas und Damian, um 1445
  • Berner Nelkenmeister:Johannes der Täufer in der Wüste
    Berner Nelkenmeister:
    Johannes der Täufer in der Wüste
  • Jacob van Ruisdael:Ansicht von Haarlem
    Jacob van Ruisdael:
    Ansicht von Haarlem
  • Johann Heinrich Wüest:Der Rhonegletscher, 1795
    Johann Heinrich Wüest:
    Der Rhonegletscher, 1795
  • Johann Heinrich Füssli:Das Schweigen, um 1800
    Johann Heinrich Füssli:
    Das Schweigen, um 1800
  • Rudolf Koller: Gotthardpost, 1873
    Rudolf Koller: Gotthardpost, 1873
  • Édouard Manet:Die Flucht des Rochefort
    Édouard Manet:
    Die Flucht des Rochefort
  • Claude Monet:Das Parlament bei Sonnenuntergang
    Claude Monet:
    Das Parlament bei Sonnenuntergang
  • Paul Cézanne:Le Mont St. Victoire
    Paul Cézanne:
    Le Mont St. Victoire
  • Edvard Munch: Kinderbild, Erdmute und Hans-Herbert Esche, 1905
    Edvard Munch: Kinderbild, Erdmute und Hans-Herbert Esche, 1905
  • Henri Rousseau:Portrait de Monsieur X (Pierre Loti), 1906
    Henri Rousseau:
    Portrait de Monsieur X (Pierre Loti), 1906
  • August Macke:Landschaft mit Kühen und Kamel
    August Macke:
    Landschaft mit Kühen und Kamel

Ehemalige Skulpturen auf dem Vorplatz des Kunsthauses

Le chant des voyelles

Deutsch: Vokalgesang, geschaffen 1931/1932 von Jacques Lipchitz, ein Geschenk von Hélène de Mandrot, befand sich ab 1948 auf dem Vorplatz des Kunsthauses.

Reclining Figure

Deutsch: Liegende Figur. Das Werkmodell der UNESCO-Figur von Henry Moore, 1957, war ein Geschenk von Walter und Werner Bär 1959. Fünf weitere Exemplare wurden gegossen. Sie ist nicht mehr ausgestellt (2024).

Fanfare

Die Betonfigur von Robert Müller wurde 1977 auf dem Vorplatz des Kunsthauses errichtet und 2010 abgebaut. Die 30-Tonnen-Plastik ist nun im Hof des Gymnasiums in Langenthal, deren ursprünglichen Bestimmungsort zu sehen.

  • Le chant des voyelles von Jacques Lipchitz, Bild 2010
    Le chant des voyelles von Jacques Lipchitz, Bild 2010
  • Reclining Figure von Henry Moore, Bild 2010
    Reclining Figure von Henry Moore, Bild 2010
  • Fanfare von Robert Müller, Bild 2006
    Fanfare von Robert Müller, Bild 2006

Filme

  • Kunsthaus Zürich. 1. Museums-Check (= Museums-Check. Folge 6). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 5. Dezember 2010.
  • Kunsthaus Zürich. 2. Museums-Check (= Museums-Check. Folge 72). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 19. Dezember 2021.
  • Durchs Höllentor ins Paradies. Die Geschichte des Kunsthaus Zürich. Dokumentarfilm, 63 Min. Regie: Peter Reichenbach, Produktion: C-Films. Schweiz 2023.
←Nächster BeitragVorheriger Beitrag→
Am meisten gelesen - Wikipedia
  • April 11, 2026

    Landgericht Höchst

  • März 26, 2026

    Nancy Faeser

  • April 08, 2026

    Bermudadreieck (Begriffsklärung)

  • April 05, 2026

    Italienische Unabhängigkeitskriege

  • März 26, 2026

    Pete Hegseth

Studio

  • Wikipedia

Newsletter Anmeldung

Kontakt aufnehmen
Kontaktieren Sie uns
© 2025 www.wikimap.de-de.nina.az - Alle Rechte vorbehalten.
Urheberrecht: Dadash Mammadov
Oben