Ein Karree (von französisch Carré, „Quadrat“) war im Militärwesen vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hinein eine Gefechtsformation der Infanterie mit nach vier Seiten hin geschlossener Front zur Abwehr von Kavallerie. Das Karree bot einen wirkungsvollen Schutz gegen Kavallerieangriffe, da es keine ungeschützten Flanken aufwies und die Pferde vor den aufgepflanzten Bajonetten zurückschreckten.
Herkunft
Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. erwähnen sowohl der griechische Historiker Thukydides als auch Xenophon die Benutzung eines Rechtecks dem altgriechisch πλαίσιον plaísion zur Verteidigung. Thukydides beschreibt in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges wie Brasidas 423 v. Chr. seine Truppen beim Rückzug gegen eine Übermacht von Illyriern und Makedonen zu einem Plaision formiert. Xenophon berichtet in seiner Hellenika, wie der spartanische König Agesilaos II. beim Rückmarsch aus Thessalien sein Heer zu einem Plaision formierte, um Reiterangriffe abzuwehren. Eine weitere historische Quelle die über die Nutzung des Plaision berichtet ist Polyainos. In seinem Werk Strategemata beschreibt er wie Timotheos 364 v. Chr. ein Plaision bei seinem Vorbeimarsch von Olynth zur Abwehr nutzt.

Erste Erwähnungen eines römischen Karrees für den Marsch tauchen bei Sallust in seinem Werk Bellum Iugurthinum (um 40 v. Chr. entstanden) auf. Sallust berichtet wie Gaius Marius in der Zweiten Schlacht von Cirta (107 v. Chr.) in Erwartung eines nubischen Angriffs ein Karree bilden lässt. Weitere Beschreibungen des römischen Marsch-Karrees lateinisch agmen quadratum finden sich in den Berichten des Plutarch und Cassius Dio über den Feldzug des Marcus Antonius gegen die Parther in Ceasars de bello gallico und in Titus Livius Ab Urbe Condita. Andere Schilderungen von Karrees die in der Schlacht eingesetzt und als lateinisch acies quadrata bezeichnet werden, stammen aus Vegetius De Re Militari. Vegetius beschreibt das diese Karrees von den Persern und Griechen genutzt würden, da sie anderen Formationen überlegen sei.
Das moderne Infanterie-Karree entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der gleichzeitigen Einführung des Tüllenbajonetts. Dies ermöglichte den Einsatz der Muskete sowohl für den Angriff als auch für die Verteidigung darunter gegen Kavallerie. Frühe Erwähnungen zur Formierung des Karrees finden sich daher bereits in École de Mars (1725) von Pierre Claude de Guignard und im preußischen Infanterie-Reglement von 1726. Bis in die Mitte es Jahrhunderts hatte sich das Karree als taktische Formation auf dem Schlachtfeld etabliert.
Beschreibung

Eine der grundlegendsten Varianten war das geschlossene Karree, das durch Schließen der Reihen einer Kolonne, gebildet wurde. Dies wurde besonders bei Truppen mit begrenzter Ausbildung und Erfahrung angewandt denen möglicherweise die Disziplin fehlte, bei einem Angriff schnell ein offenes Karree zu bilden. Aufgrund ihrer Formationsdichte boten geschlossene Karrees, wenig Manövrierraum und weniger Feuerkraft. Das offene Karree wurde entweder aus der Linie oder der Kolonne gebildet. Jede Armee hatte ihre eigene Exerzierordnung, doch die Umstände, unter denen es im Kampf gebildet wurde, waren allen gemeinsam. Das offene Karree bestand aus einer Reihe von Treffen an jeder Seite (in der Regel drei oder vier), die mit ihren Musketen nach außen gerichtet waren. Im Inneren befanden sich Offiziere die Militärkapelle die Fahnen und Verwundete sowie Feldärzte. Die Verteidigung erfolgte sowohl durch Musketenfeuer als auch durch das Aufbieten einer Phalanx aus aufgesteckten Bajonetten, gegen die ein Pferd nicht zum Angriff getrieben werden konnte. Ungeachtet der Art der Aufstellung betonten Vorschriften die Notwendigkeit kühl und gefasst zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass die Sicherheit weniger vom Abfeuern als vielmehr davon abhing, das Feuer zurückzuhalten, bis dessen Wirkung sicher war. Bei einem Angriff feindlicher Kavallerie reichte das Bajonett bereits oftmals aus, um die Kavallerie zum Ausweichen zu bewegen. Dadurch war es möglich das Feuer für eine echte Bedrohung zurückhalten.
Neben den bekannten Formen des Karrees entstanden in den jeweiligen Armeen entsprechende Sonderformen. In Österreich entwickelte Herzherog Karl die sogenannten "Massen" Dabei handelte es sich um dicht gestaffelte Kolonnen, deren Tiefe niemals das Doppelte der Breite überschreiten durfte. Eine Masse bestand je nach Größe aus drei Kolonnen bestehend aus zwei bis sechs Kompanien in der Tiefe und einer halben bis einer Kompanie in der Breite. Massen galten auch als nützlich, um die maximale Anzahl an Truppen auf einem begrenzten Gebiet zu konzentrieren; waren jedoch äußerst anfällig für Artilleriefeuer. In Russland ging die Armee unter der Führung von Feldmarschall Kutusow dazu über Artillerie an die Ecken des Karrees zu postieren. In Frankreich entwickelte sich durch die Erfahrungen des Ägyptenfeldzugs das Divisionskarree, das jeweils aus drei Halb-Brigaden bestand und eine Fläche von 150 × 25 m einnahm.

Formierung
Unhabhängig von der Größe eines Karrees existieren mehrere Möglichkeiten um ein Karree zu bilden. Beschrieben in Principles of Military Movements (1788) von General David Dundas: Um ein Karree aus einer Batallionskolonne zu bilden, rückte die 2. Kompanie neben die 1. Kompanie und die letzte neben die vorletzte. Sie bildeten die Vorder- und Rückseite. Die Kompanien in der Mitte traten einen Schritt seitwärts, wodurch in der Mitte der Kolonne eine Öffnung entstand; dann drehten sich die vier Züge jeder Kompanie, zwei nach rechts und zwei nach links und bildeten so die Seiten. Eine weitere Variante dargelegt unter anderem im preußischen Exerzierreglement für die Infanterie von 1743. Dabei wurde das Karree aus der Linienformation durch die zwei Bataillone eines Regiments gebildet. Jedes Bataillon setzte sich aus je vier "Divisionen" zusammen. Die die beiden ersten Divisionen des 2. Bataillons hielten ihre Position, während auf der Linken und Rechten Seite durch schwenken der Flügel die Flanken und Rückseite des Karrees geformt wurden.
Ende
Das Karree kam nach dem Ende der Koalitionskriege im Krimkrieg und dem Wettlauf um Afrika zur Anwendung. Durch die Weiterentwicklung der Waffentechnik wie die Einführung von Repetiergewehren, dem Maschinengewehr und dem dadurch entstehenden Wandel der Kavallerie, verlor dass Karree am Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach seine Bedeutung. Einen letzten großen Erfolg feierte das Karree in den Kämpfen der British Army während des Mahdi-Aufstandes im Sudan. Dort konnten ca. 1.500 Briten in Karreeformation ungefähr 10.000 Mahdisten in der Schlacht von Abu Klea am 17. Januar 1885 schlagen.
Siehe auch
- Gevierthaufen
- Militärgeschichte (17. Jahrhundert)
- Militärgeschichte (18. Jahrhundert)
- Militärgeschichte (19. Jahrhundert)
- Landkrieg