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Horst Schlämmer ist eine 2005 von Hape Kerkeling entwickelte deutsche Kunst- und Comedyfigur, die als stellvertretender Chefredakteur des fiktiven Grevenbroiche

Horst Schlämmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Horst Schlämmer-Wachsfigur im Madame Tussauds Berlin

Horst Schlämmer ist eine 2005 von Hape Kerkeling entwickelte deutsche Kunst- und Comedyfigur, die als stellvertretender Chefredakteur des fiktiven Grevenbroicher Tagblatts auftritt. Die Figur ist in Fernsehsendungen, Sketchen, Bühnenauftritten, Kino- und Fernsehfilmen, Songs, Werbeauftritten sowie als Vorsitzender der fiktiven Horst-Schlämmer-Partei (HSP) zu sehen.

Charakterisierung

Schlämmer wurde am 16. Oktober 1957 in Korschenbroich (Rhein-Kreis Neuss) geboren und ist ein extrovertierter und fröhlicher Mensch, der beruflich unter dem Motto „Immer janz discht dran und knallhart nachjefracht“ für das Grevenbroicher Tagblatt grundsätzlich nur die Wahrheit herausfinden möchte. Bekleidet mit einem grau-beigen Trenchcoat, einer schwarzen Herrenhandtasche („der Schnapper aus Nappa“) am Arm und einem altmodischen goldfarbenen Ring am Finger führt er Interviews auf realen Veranstaltungen wie der Bundestagswahl durch. Gerne bietet er dazu seinem Gegenüber eines seiner stets mitgeführten Fläschchen Doornkaat zum Brüderschaft-Trinken an.

Um seine Gegenüber zu verunsichern, schüttete sich Kerkeling vor jedem Auftritt als Horst Schlämmer ein Fläschchen Doornkaat über seinen Trenchcoat, um das Alkoholproblem der Figur Schlämmer sensorisch darzustellen. Weitere äußerliche Charakteristika der Figur sind seine nach hinten gekämmten Haare, eine altmodische Brille, ein Schnurrbart, ein Überbiss und ein mittlerer Bierbauch. Schlämmer ist außerdem starker Raucher und hat gesundheitliche Probleme, die er immerzu erwähnt. Dazu zählen sein Kreislauf, der Rücken, die Füße und der Steiß. Zudem gibt er an, unter Schnappatmung zu leiden. Diese Beeinträchtigungen hindern ihn jedoch nicht daran, junge attraktive Frauen anzusprechen. Seine Angebetete Gerti Kuhfuß (Wirtin der fiktiven Grevenbroicher Stammkneipe Wilddieb) will wiederum nichts von ihm wissen. Charakteristisch sind sein röchelndes Luftholen und die Redewendung „Weisse Bescheid, Schätzelein“. Er spricht mit rheinischem Akzent.

Entstehung und Fernsehauftritte

Die Figur Horst Schlämmer wurde ursprünglich für die RTL-Sendung Hape trifft entwickelt. Bereits in der ersten Folge am 23. April 2005 war die Figur mehrfach Teil der Sendung. Schlämmer berichtete dort unter anderem von der Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

Im Mai 2006 trat Schlämmer beim Prominenten-Special von Wer wird Millionär? an und nahm, nachdem Jauch während des Quiz aufgestanden war, als erster Kandidat selbst den Stuhl des Moderators in Besitz. Zusammen mit Jauch erspielte er 500.000 Euro für die Deutsche AIDS-Stiftung. Für diese Sendung wurde den beiden Akteuren 2006 der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Horst Schlämmer erhielt außerdem den Sonderpreis des Deutschen Comedypreises 2006, unter anderem auch wegen des Auftritts mit Jauch. Anke Engelke überreichte den Preis in ihrer Rolle als Ricky, und es kam zu einem humorvollen Dialog mit Horst Schlämmer.

Horst Schlämmer vertrat in der am 14. Mai 2026 erschienenen siebten Staffel von LOL: Last One Laughing auf Amazon Prime den bisherigen Gastgeber Michael Herbig, da dieser als zehnter Teilnehmer enthüllt wurde und selbst an der sechsstündigen Nicht‑Lachen‑Challenge teilnahm.

Weitere Medien und Vermarktung

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Schätzelein (als Horst Schlämmer)
 DE2017.02.2006(16 Wo.)
Gisela (Isch möschte nischt) (als Horst Schlämmer)
 DE2814.09.2007(14 Wo.)
Isch kandidiere! (als Horst Schlämmer)
 DE4004.09.2009(5 Wo.)

Anfang 2007 führte Horst Schlämmer ein Weblog, in dem der Verlauf seines Führerscheinerwerbs unter anderem durch Videos dokumentiert wurde.

In einem inszenierten Interview und PR-Crossover für Taff wurde 2007 eine angebliche Beziehung mit Luise Koschinsky thematisiert.

Mit Horst Schlämmer als Nebenfigur wurde ein PC-Spiel mit dem Titel Weisse Bescheid?! entwickelt. Das Quizspiel wurde im Mai 2007 in zwei verschiedenen Ausgaben veröffentlicht.

Auch einige Singles wurden herausgebracht: so im Februar 2006 die Single-CD Schätzelein, die unter anderem das an Herzilein von den Wildecker Herzbuben angelehnte Lied Schätzelein und Meine letzte Zigarette enthält. Schätzelein erzielte dabei Platz 20 der deutschen Charts. 2006 trat Schlämmer damit in Florian Silbereisens Show Das Winterfest der Volksmusik auf. Im September 2007 erschien die Single Gisela (Isch möschte nischt …), die Platz 28 der deutschen Charts erreichen konnte. Das dazugehörige Musikvideo erzielte seit seiner Veröffentlichung 6,4 Mio. Aufrufe. 2009 kam dann der Song Isch kandidiere für den gleichnamigen Kinofilm heraus, der Platz 40 der deutschen Charts erlangte.

Kino- und Fernsehfilme

2007 war Horst Schlämmer im Mittelpunkt der 60-minütigen RTL-Komödie Horst Schlämmer: Weisse Bescheid?!, in der sein Zuhause am Niederrhein und sein Führerscheinerwerb aufgegriffen wurden. Die Erstausstrahlung erfolgte am 1. Mai 2007.

Im Januar 2009 trat die Figur zudem in einer Nebenrolle in der ZDF-Fernsehkomödie Ein Mann, ein Fjord! auf. Hape Kerkeling verkörperte darin neben Schlämmer auch die Figuren Gisela und Uschi Blum; Schlämmer begegnet dem von Jürgen Tarrach verkörperten Protagonisten auf dessen Reise nach Norwegen.

Im August 2009 kam der Film Horst Schlämmer – Isch kandidiere! in die Kinos, bei dem Produzent Angelo Colagrossi Regie geführt hat. Im Film gründet Schlämmer die Partei HSP (Horst-Schlämmer-Partei), mit der er bei der Bundestagswahl 2009 antreten möchte. Neben Kerkeling (in den Rollen von Horst Schlämmer, Gisela, Uschi Blum, Angela Merkel und Ronald Pofalla) spielten unter anderem Simon Gosejohann, Alexandra Kamp, Maren Kroymann und Norbert Heisterkamp mit. Ebenso gibt es unter anderem Gastauftritte von Bushido, Michael Schumacher, Jürgen Drews oder Jürgen Domian.

Im März 2026 erschien der Kinofilm Horst Schlämmer sucht das Glück, bei dem Sven Unterwaldt Regie führte. Im Film ist Schlämmer auf der Suche nach Menschen, die das Glück gefunden haben, nachdem den Leuten nach seiner Auffassung das Glück nach dem Ende der COVID-19-Pandemie abhandengekommen ist. Ausgelegt ist das Ganze als Wette zwischen ihm und dem Wirt Günni, der den Waschsalon, den er inzwischen betreibt, wieder in eine Kneipe zurückverwandeln soll, falls Schlämmer die Wette gewinnt. Neben Kerkeling spielten unter anderem Tahnee Schaffarczyk, Meltem Kaptan, Laura Thomas, Jördis Triebel, Eva Habermann und Norbert Heisterkamp mit. Ebenso gibt es Gastauftritte von Jochen Busse, Markus Söder und Rainer Maria Woelki.

Rezeption

Horst Schlämmer entwickelte sich in der öffentlichen Wahrnehmung von einer Fernsehfigur zu einer Kunstfigur, die breit diskutierte politische und gesellschaftliche Reaktionen hervorrief.

Von Publikum und Kritik wurde die Figur bereits in ihren Anfangsjahren als Karikatur eines Journalisten wahrgenommen, die aufgrund ihrer menschlichen Fehlbarkeiten sowohl Fremdscham als auch Sympathie hervorrief. Bereits 2006 zeigte sich hierbei, dass seine Rezeption über die Fernsehwelt hinausging, als der damalige Bürgermeister von Grevenbroich Kerkeling bzw. Schlämmer zum Ehrenbürger der Stadt machen wollte. Der Vorschlag stieß anschließend parteiübergreifend auf Ablehnung und löste eine öffentliche Debatte darüber aus, ob einer fiktiven Figur eine solche Ehrung zustehe.

Den Höhepunkt ihres früheren Kultstatus erreichte die Figur im Zuge ihres ersten Kinofilms Horst Schlämmer – Isch kandidiere!, mit dem sie endgültig aus der reinen Medienfiktion ausbrach.Bernd Gäbler führte dazu in seiner 2009 veröffentlichten Medienkolumne für den Stern aus, dass Kerkelings Figur „wirkungsvolle Komik im wirkungslosen Raum“ bestreite. Er nutze nur das Vakuum eines ratlosen Wahlkampfes, in dem alle Parteien nur demonstrieren, wie wenig sie mitten in einer Systemkrise bereit seien, diese mit ihren bisherigen Vorstellungen zu brechen. Darum komme Schlämmers Kunst so gut an. Darum sei er es, der den Wahlkampf wenigstens ein wenig aufmische, indem er sich tatsächlich aus ihm heraushalte. Zeitweise beherrschten sowohl die Figur als auch der Film die Medienberichterstattung stärker als manche Politiker.

Volker Lilienthal äußerte 2009 im Gespräch mit Andreas Stopp für den Deutschlandfunk, dass eine Verschlämmerung der Politik im Bundestag beklagt werde. Obwohl Schlämmer hierbei nur im Zuge eines Marketinggags für den Film als Kanzlerkandidat angetreten sei, hätten ihm damals 18 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme gegeben, wenn er tatsächlich zur Wahl gestanden wäre.

Helen Roth vom SWR beschrieb Horst Schlämmer in ihrem Artikel 5 Figuren, mit denen Hape Kerkeling Deutschland seziert hat als eine Übertreibung, die zur Realität wurde. Sie sehe in der Figur eine genaue Beobachtung medialer Mechanismen: Schlämmer rede nicht, um etwas zu sagen, sondern um Wirkung zu erzeugen. Inhalt werde zur Nebensache, entscheidend sei die Pose. Gerade darin liege seine satirische Präzision. Roth zog hierbei auch einen aktuellen Vergleich zum US-Präsidenten Donald Trump. Schlämmer sei kein Ausreißer mehr, sondern erinnere an eine Kommunikationskultur, in der Lautstärke, Vereinfachung und Selbstinszenierung politische Wirksamkeit entfalteten.

2010 ordnete der Deutschlandfunk den Weblog mit Horst Schlämmer über seinen Führerscheinerwerb mit einem VW-Golf als Beispiel für virales Marketing ein. Laut Branchenkennern wurde hierbei hervorgehoben, dass die Aktion rund 90.000 zusätzliche Probefahrten ausgelöst und einen Werbewert von über 6 Mio. Euro erzielt habe. Volkswagen selbst bestritt jedoch, die Videos selbst initiiert zu haben, weshalb die genannten Zahlen keine gesicherten Unternehmensangaben, sondern Schätzungen von Branchenbeobachtern seien.

In einem 2026 erschienenen Artikel von Gunda Bartels für den Tagesspiegel wurde die Figur im Zuge des zweiten Kinofilms Horst Schlämmer sucht das Glück als naive Narrenfigur mit dem gelegentlichen Hang zu Zoten beschrieben. Die Figur bleibe rückwärtsgewandt, ohne Potenzial zur gesellschaftlichen Reibung. Mit kluger Komik habe „Horst Schlämmer sucht das Glück“ nichts zu tun, dafür mit jeder Menge Retro-Klamauk.

Andrea Burtz vom NDR attestierte Schlämmer eine grundsätzliche Lernwilligkeit, ohne dass sich seine Gesinnung wesentlich verändert habe. Zugleich ordnete sie die Figur als aus der Zeit gefallen ein.

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