

Angelica Domröse (* 4. April 1941 in Berlin; † 15. Mai 2026 ebenda) war eine deutsche Schauspielerin, die vor allem durch ihre Rolle als alleinstehende junge Mutter „Paula“ in Heiner Carows Kultfilm Die Legende von Paul und Paula von 1973 zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR wurde.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Angelica Domröse wuchs bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in der Nähe des Stettiner Bahnhofs in Berlin auf. Ihren leiblichen Vater, einen jüdischen Zwangsarbeiter aus Frankreich, lernte sie nie kennen. Nach einer Ausbildung zur Stenotypistin arbeitete sie zunächst in einem staatlichen Außenhandelsunternehmen der DDR, bevor sie von 1958 bis 1961 die Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam besuchte.
Theater
Von 1961 bis 1966 gehörte Domröse dem Berliner Ensemble an, wo sie unter anderem in Bertolt Brechts Dreigroschenoper, Schweyk im Zweiten Weltkrieg und Die Tage der Commune sowie Helmut Baierls Frau Flinz zu sehen war. Nach ihrem Engagement am Berliner Ensemble war sie bis 1979 an der Volksbühne Berlin. Hier spielte sie in Stücken von George Bernard Shaw, Henrik Ibsen, William Shakespeare und Peter Hacks. Nach der Unterzeichnung der Protestresolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR im November 1976 wurde sie zunehmend in ihrer Arbeit behindert.
1979 gastierte Domröse als Helena in einer Inszenierung von Faust II am Thalia-Theater in Hamburg. Im Jahr 1980 übersiedelte sie schließlich mit ihrem Ehemann Hilmar Thate in die Bundesrepublik Deutschland, wo sie sich ebenfalls mit anspruchsvollen Rollen durchsetzen konnte. Neben Gastspielen in Stuttgart, Hamburg, Bochum und Wien arbeitete sie überwiegend beim Schillertheater in Berlin.
Nach 1992 war sie zeitweise auch als Dozentin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch tätig. Im selben Jahr führte sie Regie am Studiotheater Berlin und am Meininger Theater.
Film und Fernsehen
1958 wurde Domröse von Regisseur Slatan Dudow während eines Castings für den Film Verwirrung der Liebe entdeckt. Die Stenotypistin hatte sich auf eine Zeitungsanzeige gemeldet und konnte sich aus Hunderten Bewerberinnen für eine der Hauptrollen in dem Film durchsetzen. Sie arbeitete in der Folgezeit für die DEFA und den Deutschen Fernsehfunk in verschiedenen Genres. Kino-Hauptrollen hatte sie in ernsten und politischen Stoffen wie Kurt Maetzigs An französischen Kaminen (1963), Joachim Haslers Chronik eines Mordes (1965) oder Joachim Kunerts Antikriegsfilm Die Abenteuer des Werner Holt (1965). Im Komödienfach war sie als Filmtochter von Erwin Geschonneck in Ein Lord am Alexanderplatz (1967) zu sehen.
1973 erlangte sie durch ihre Rolle als alleinstehende junge Mutter „Paula“ in Heiner Carows Kultfilm Die Legende von Paul und Paula an der Seite von Winfried Glatzeder ihre wohl größte Popularität. Der Film erreichte über drei Millionen Kinozuschauer in der DDR. Erfolg hatte sie in den 1970er-Jahren auch mit Hauptrollen in zwei Fontane-Verfilmungen: zum einen als Effi in dem Fernsehdrama Effi Briest (1970), zum anderen als Wirtsfrau Ursula Hradschek in dem DEFA-Kinofilm Unterm Birnbaum (1973). Im weiteren Verlauf der 1970er-Jahre war sie im DDR-Fernsehen in weiteren Literaturverfilmungen (u. a. Daniel Druskat, Am grauen Strand, am grauen Meer) und Theateraufzeichnungen (u. a. Die Wildente, Der Menschenhasser) zu sehen. 1979 hatte sie Heiner Carows Bis daß der Tod euch scheidet ihre letzte Filmrolle in der DDR.
Auch nach ihrer Ausreise aus der DDR in die BRD im Jahr 1980 erhielt Domröse weiterhin Rollen in Film- und Fernsehproduktionen, wie 1986 als Musikproduzentin Peggy Kaufmann in Helmut Dietls sechsteiliger Fernsehserie Kir Royal. Sie arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Frank Beyer, Egon Günther, Heiner Carow und Michael Haneke zusammen. 1988 wurde sie mit der Josef-Kainz-Medaille ausgezeichnet.
Als Kriminalkommissarin Vera Bilewski ermittelte sie ab 1994 für den SDR in der Krimireihe Polizeiruf 110, darunter auch in der umstrittenen Folge Samstags, wenn Krieg ist. Die Zusammenarbeit endete jedoch nach zwei weiteren Folgen, da der Südwestrundfunk (SWR) nach dem Zusammengehen des Süddeutschen Rundfunks mit dem Südwestfunk am 1. Oktober 1998 keinen weiteren Polizeiruf mehr für die ARD produzierte.
2012 war Domröse an der Seite von Otto Sander in Bernd Böhlichs Bis zum Horizont, dann links! als betagte Seniorin Annegret Simon auf der Kinoleinwand zu sehen. Dies war ihre erste Filmrolle nach neun Jahren und sollte zugleich ihre letzte bleiben. Sie stand insgesamt in über 70 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera.
Privates
Angelica Domröse war von 1966 bis 1975 mit dem tschechischen Schauspieler Jiří Vršťala und von 1976 bis zu dessen Tod im Jahr 2016 mit dem Schauspieler Hilmar Thate verheiratet. Domröse hatte keine Kinder.

2003 erschien unter dem Titel Ich fang mich selbst ein im Verlag Bastei Lübbe eine Autobiografie Domröses, in der sie ihre jahrelange Alkoholsucht thematisierte.
Im Jahr 2006 musste sie nach einem Zusammenbruch in einer Klinik behandelt werden; ihr Ehemann hatte sie bewusstlos im Badezimmer aufgefunden. Im September 2009 ließ sie sich nach einer psychischen Erkrankung in ein Sanatorium einweisen.
Tod
Angelica Domröse starb im Mai 2026 nach längerer Krankheit im Alter von 85 Jahren. Sie lebte zuletzt in Berlin-Charlottenburg. Ihre letzte Ruhestätte erhielt sie neben Hilmar Thate auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße.
Filmografie
Kino
- 1959: Verwirrung der Liebe
- 1961: Die Liebe und der Co-Pilot
- 1962: Die aus der 12b
- 1962: Wenn Du zu mir hältst
- 1963: An französischen Kaminen
- 1963: Sonntagsfahrer
- 1963: Julia lebt
- 1965: Die Abenteuer des Werner Holt
- 1965: Chronik eines Mordes
- 1965: Entlassen auf Bewährung
- 1967: Ein Lord am Alexanderplatz
- 1967: Als Hitler den Krieg überlebte (Já, spravedlnost)
- 1973: Die Legende von Paul und Paula
- 1973: Unterm Birnbaum
- 1979: Bis daß der Tod euch scheidet
- 1983: Randale
- 1989: Die Skorpionfrau
- 1992: Die Verfehlung
- 2003: Tal der Ahnungslosen
- 2012: Bis zum Horizont, dann links!
Fernsehen
- 1960: Papas neue Freundin
- 1961: Mandragola
- 1961: Vielgeliebtes Sternchen
- 1962: Oh, diese Jugend
- 1964: Drei Kriege (Dreiteiler, 2. Teil: Hinter den Fronten)
- 1965: Jeder hat seine Geschichte
- 1966: Die Tage der Commune
- 1966: Schatten über Notre-Dame
- 1967: Emilia Galotti
- 1968: Wege übers Land (Fünfteiler)
- 1968: Alchimisten
- 1969: Krupp und Krause (Fünfteiler)
- 1970: Effi Briest
- 1970: Caesar und Cleopatra
- 1971: Liebeszauber
- 1971: Artur Becker (Dreiteiler)
- 1971: Salut Germain (4 Folgen)
- 1971: Der Arzt wider Willen
- 1971: Brecht-Abend
- 1973: Die Brüder Lautensack (Dreiteiler)
- 1973: Eva und Adam (Vierteiler)
- 1975: Mein lieber Mann und ich
- 1975: Die Wildente
- 1975: Der goldene Elefant
- 1976: Daniel Druskat (Vierteiler)
- 1978: Fleur Lafontaine
- 1978: Trilogie 1848 – Der Galgensteiger
- 1979: Abschied vom Frieden (Dreiteiler)
- 1979: Der Menschenhasser
- 1980: Am grauen Strand, am grauen Meer
- 1981: Don Quichottes Kinder
- 1981: Die zweite Haut
- 1982: Flüchtige Bekanntschaften
- 1983: Hanna von acht bis acht
- 1985: Rosarot bis Schwarz
- 1985: Mamas Geburtstag
- 1985: Die Hose
- 1985: Blanche oder Das Atelier im Garten
- 1986: Fraulein – Ein deutsches Melodram
- 1986: Kir Royal (Folge: Karriere)
- 1988: Der Alte (Folge: Blackout)
- 1990: Der Alte (Folge: Die Wahrheit)
- 1991: Hurenglück
- 1991: Tote Briefe
- 1994: Die letzte Entscheidung
- 1994: Polizeiruf 110: Samstags, wenn Krieg ist
- 1996: Polizeiruf 110: Kleine Dealer, große Träume
- 1996: Faust (Folge: Der Goldjunge)
- 1997: Kalte Küsse
- 1998: Polizeiruf 110: Hetzjagd
Theater
- 1960: Bertolt Brecht: Leben des Galilei – Regie: Erich Engel (Berliner Ensemble)
- 1962: Bertolt Brecht: Die Tage der Commune – Regie: Manfred Wekwerth / Joachim Tenschert (Berliner Ensemble)
- 1967: George Bernard Shaw: Cäsar und Cleopatra (Cleopatra) – Regie: Ottofritz Gaillard (Volksbühne Berlin)
- 1968: Friedrich Schiller: Don Carlos (Eboli) – Regie: Hannes Fischer (Volksbühne Berlin)
- 1969: William Shakespeare: Troilus und Cressida (Cressida) – Regie: Hannes Fischer (Volksbühne Berlin)
- 1971: Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan (Nichte) – Regie: Benno Besson (Volksbühne Berlin)
- 1971: Carlo Gozzi: König Hirsch (Angela) – Regie: Benno Besson/Brigitte Soubeyran (Volksbühne Berlin)
- 1975: Carlo Gozzi: Das schöne grüne Vögelchen (Pompea) – Regie: Ernstgeorg Hering / Helmut Straßburger (Volksbühne Berlin)
- 2008: Eduardo De Filippo: Filumena (Filumena) – Regie: Petra Luisa Meyer (Hans Otto Theater Potsdam)
Hörspiele
- 1966: Bertolt Brecht: Das Verhör des Lukullus – Regie: Kurt Veth (Hörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1969: Vuk Stefanović Karadžić: Jugoslawische Märchen und Legenden (Königstochter in Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen) – Regie: Dieter Scharfenberg (Kinderhörspiel – Litera)
- 1970: Wilhelm Hauff: Die Geschichte vom Kalif Storch (Die Eule) – Regie: Joachim Herz (Kinderhörspiel – Litera)
- 1970: Wilhelm Hauff: Der Zwerg Nase / Das Märchen vom falschen Prinzen (Die Gans / Die Fee Adolzaide) – Regie: Joachim Herz (Kinderhörspiel – Litera)
- 1971: Bertolt Brecht: Die Tage der Commune (Babette Cherron) – Regie: Manfred Wekwerth/Joachim Tenschert (Hörspiel – Litera)
- 1971: Zofia Posmysz: Ave Maria (Maria) – Regie: Helmut Hellstorff (Hörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1972: Brüder Grimm: Das blaue Licht (Königstochter) – Regie: Dieter Scharfenberg (Kinderhörspiel – Litera)
- 1974: Jeremi Przybora: Die Dame und ihr Hündchen Tesoriono (Dame mit Hündchen) – Regie: Helmut Hellstorff (Hörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1976: Roald Dahl: Der Mantel (Mrs. Bixby) – Regie: Joachim Staritz (Kriminalhörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1977: Peter Goslicki / Peter Troche: Glassplitter (Betti) – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1979: Horst Berensmeier: Lösegeld – Regie: Hans Knötzsch (Hörspiel – Rundfunk der DDR)
- 1985: Ingomar von Kieseritzky: Die Exkursion – Regie: Manfred Marchfelder (Hörspiel – SFB)
- 1987: Hans Werner Kettenbach: Torschluß (Lisa Strittmatter) – Regie: Albrecht Surkau (WDR – 2002 auch als CD bei Der Audio-Verlag)
- 1990: Peter Feraru: Wir sind doch keine Räuberbande, mit Günter Lamprecht – Regie: Holger Rink (SFB)
- 1996: Dacia Maraini: Stimmen – Regie: Götz Fritsch (WDR)
- 2000: Donna W. Cross: Die Päpstin – Regie: Walter Niklaus (Hörspiel – MDR KULTUR)
- 2001: Günter Kunert: Am Sexophon: Esmeralda – Regie: Walter Niklaus (Hörspiel – MDR)
Auszeichnungen

- 1966: Schauspielerin des Jahres
- 1969: Kunstpreis der DDR für Wege übers Land
- 1971: DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres
- 1973: DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres
- 1975: DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres
- 1976: Nationalpreis der DDR II. Klasse
- 1982: Goldene Nymphe (Beste Darstellerin) für Die zweite Haut
- 1986: Schauspielerin des Jahres
- 1988: Josef-Kainz-Medaille
- 2003: Goldene Henne für das Lebenswerk
- 2008: Preis der DEFA-Stiftung für die Verdienste um den deutschen Film
- 2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
- Theaterschauspieler
- Filmschauspieler
- Hörspielsprecher
- Schauspiellehrer
- Hochschullehrer (Hochschule für Schauspielkunst Berlin)
- Darstellender Künstler (DDR)
- Darstellender Künstler (Berlin)
- Träger des Nationalpreises der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur
- Träger des Kunstpreises der DDR
- Träger der Kainz-Medaille
- Emigrant aus der DDR
- Deutscher
- Geboren 1941
- Gestorben 2026
- Frau